Die andere Seite der Liebe

29.12.2012

Bad Antogast, Germany

F.: Gurudev, kannst du bitte über die Verbindung von Spiritualität und Mathematik sprechen?

Sri Sri Ravi Shankar:
Die Mathematik der Spiritualität ist: 2 + 1 = 0.

Hast du es verstanden? Denk darüber nach!

Wenn der Körper und der Geist mit dem einen Bewusstsein verschmelzen, dann bleibt nichts mehr, was man erfahren müsste. Genau das ist es!

F.: Liebster Gurudev, es gab viele Fragen betreffend die Bedeutung von Jesus, seiner Geburt und seiner Gegenwart. Bitte sprich ein wenig darüber.

Sri Sri Ravi Shankar:
Jesus ist die Verkörperung der Liebe.

Sieh dir nur einmal an, wie vielen Anfeindungen und welchem Schmerz er ausgesetzt war. Jesus erlitt die Verletzungen und den Schmerz mit so viel Gelassenheit und Ruhe. Jedermann hat ihn beschuldigt. Selbst seine Schüler sind davongelaufen.

Stell dir vor, wie schmerzhaft das zu jener Zeit für ihn gewesen sein muss. Wenn du alles für deine Anhänger tust, und sie dich eines schönen Tages verleugnen und weglaufen, dann ist das der schrecklichste Schmerz, den man sich vorstellen kann. Aber Jesus´ Leben war so. Und als alle ihn verlassen hatten, fragte er sogar Gott: „Hast auch du mich im Stich gelassen?”

Es war also ein Leben voller Schmerz auf der einen Seite, und ein Leben voller Liebe auf der anderen Seite.

Nun, das bedeutet nicht, dass jeder liebende Mensch so viel Schmerz wird ertragen müssen. Das ist nicht so. Seine Botschaft an die Menschen war immer: „Sei über nichts fanatisch. Urteile nicht und sei nicht grausam. Sei gegenüber jedermann liebevoll und mitfühlend, denn Gott ist die Liebe.”

Die Menschen lebten damals im Kopf und dachten nur an Sünden und Bestrafung. Sie träumten nur vom Himmel und fürchteten die Hölle.

Da kam Jesus uns sagte: „Lebe im gegenwärtigen Augenblick! Lebe jetzt und sei liebevoll und fürsorglich zu allen Menschen. Du musst keine Angst vor Gott haben, denn er ist unser Vater, und wie ein Vater ist er ein Teil von uns. Mein Vater und ich sind eins.”

Seine Botschaft war für die damalige Zeit revolutionär, und die Menschen wurden sich bewusst, dass es sich um eine Reise vom Kopf zum Herzen handelte und nicht um eine Reise vom Kopf zu den Himmeln oder zu den Sternen. Das war seine Botschaft, die jedoch während siebzig Jahren niemand aufnahm.

Ich habe von Gelehrten gehört, die Bibel sei erst siebzig Jahre nach Jesus´ Ableben geschrieben worden. Es ist also möglich, dass der ursprüngliche Text mehrmals verzerrt worden ist. Deshalb gibt es auch zweiundsiebzig christliche Sekten, von denen jede der Meinung ist, das wahre Christentum zu sein.

Es gibt nur einen Jesus Christus, aber zweiundsiebzig verschiedene Sekten, die die Bibel alle auf ihre eigene Weise interpretiert haben.

Sie müssen versuchen, die wirkliche Essenz des Christentums zu erfassen und keine theologischen Kämpe gegeneinander zu führen. Denn das kann zu keinem Ende führen.

Dasselbe geschah auch bei Buddha. Es gab nur einen Buddha, aber zweiunddreißig Sekten des Buddhismus, von denen jede für sich in Anspruch nahm, die ursprüngliche zu sein und die richtige Interpretation von Buddhas Lehren zu besitzen.

Auch beim Propheten Mohammed kann Ähnliches gefunden werden. Es gibt im Islam fünf Sekten, die einander nicht akzeptieren und sich tatsächlich gegenseitig widersprechen.

Der Mensch hat die Tendenz, Konzepten nachzuhängen, ohne sie wirklich zu erfahren.

Er macht diese Konzepte zu seiner Identität und ist gewillt, dafür sein Leben aufzugeben.

Jesus’ Botschaft war: „Wach auf und erkenne, dass das Königreich des Himmels sich in deinem Inneren befindet. Wisse, dass Gott Liebe ist.”

Sei also wie ein Kind. Ein Kind hat keine Vorurteile. Wenn du nicht wie ein Kind bist, kannst du nicht in den Himmel kommen. Das ist eine Botschaft, die droht, verloren zu gehen.

Es fehlen eine kindliche Unschuld und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit mit jedermann. Deshalb hat es so viele Verbrechen im Namen der Religion gegeben.

Als die Religion sich mit der politischen Autorität zu vermischen begann, entstand der Kommunismus.

Das alles geschieht, weil wir das innere Licht, das wir sind, nicht erkennen, das Licht unseres inneren Seins.

F.: Lieber Gurudev, wenn uns Nichtstun so viel Freude und Glück bringt, warum sollen wir dann überhaupt etwas tun?

Sri Sri Ravi Shankar:
Deine Natur ist so, dass du es nicht lange aushältst, ohne etwas zu tun.

Weißt du, Glückseligkeit entsteht immer durch den Kontrast von Ereignissen.

Wenn du etwas tust und dich zu hundert Prozent dafür einsetzt, dann wird dir der Wert des Nichtstuns erst richtig bewusst.

Nur wenn du aktiv und dynamisch bist, kannst du tiefe Ruhe finden. Wenn du den ganzen Tag im Bett liegst und nichts tust, wirst du in der Nacht nicht schlafen können. Also ist es sehr wichtig, das zu tun, was du tun musst.

Wir müssen ein gewisses Karma hinter uns bringen, und wenn das geschehen ist, können wir zwischen den Stadien der Aktivität auch den Zustand des Nichtstuns erfahren.



F.: Gurudev, werden Wünsche erschaffen und können sie beseitigt werden? Und wenn ja, wie?

Sri Sri Ravi Shankar:
Schau einfach zurück und reflektiere dein Leben bis zu deiner Kindheit. Du hattest damals so viele Wünsche. Manche wurden dir erfüllt, viele musstest du loslassen. Es war nicht möglich, dass alle Wünsche erfüllt wurden, die als Kind, als Jugendlicher oder als junger Erwachsener in deinem Kopf auftauchten.

Wäre es geschehen, wärest du verrückt geworden. Du hättest dich elend gefühlt. Gott sei Dank ist es nicht geschehen. Deshalb sind nur diejenigen Dinge geschehen, die geschehen mussten.

All dieses Lob und all diese Beleidigungen geschehen nur auf dem Planeten Erde, und wir müssen sie angehen und dann weitergehen. Werde zu einer starken Seele, zu einem starken Individuum.

Das ist wirkliche Kraft.

Bist du fähig, bei jedem Ereignis im Leben zu lächeln? Das ist das Ziel all dieser Dinge.

Kannst du dir dein Lächeln erhalten?

Es ist hart, ich weiß es, aber du musst es tun.

Wenn du versuchst, vor etwas wegzulaufen, wird es dich wieder einholen. Wenn nicht in diesem Leben, so wird es doch im nächsten Leben geschehen.

Deshalb heißt es, man solle alles vollbringen, was jetzt geschehen muss, um dann mit einem großen Lächeln, mit Mut und Enthusiasmus weiterzugehen.

Die bitteren Erfahrungen, durch die du hindurchgehen musstest, haben deiner Persönlichkeit Tiefe gegeben, während die guten Erfahrungen deine Persönlichkeit erweitert haben.

Sie haben alle zu deinem Leben beigetragen.

Sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen sollten willkommen geheißen werden, denn beide stärken deine Persönlichkeit.

Beide wirken auf unvorstellbare Weise an deiner Existenz mit.

Wisse einfach, dass sie alle ein Teil deiner spirituellen Praxis sind.

Angenehme Erfahrungen sind also auch ein Teil deiner Übungen. Dasselbe gilt für die unangenehmen Ereignisse, denen du begegnet bist.

Es gehört ebenfalls zu deiner spirituellen Praxis, von Menschen Komplimente zu erhalten oder von ihnen beleidigt zu werden. Beides trägt zu deiner Stabilität und zu deiner Zentriertheit bei, und du wächst auf die Weise, die für dich vorgesehen ist.

F.: Lieber Gurudev, warum tut Sehnsucht so weh? Ich spreche von der Sehnsucht nach dem Göttlichen, nach dem Unendlichen. Woher sind wir gekommen?

Sri Sri Ravi Shankar:
Schau, Liebe und Schmerz sind sich sehr nahe, sie gehen Hand in Hand. Wenn du jemanden liebst, wirst du manchmal verletzt werden. Es geschieht, und wir müssen es durchleben. Laufe nicht davor weg. Verletzt zu werden ist ein Teil der Liebe.

Der Schmerz lässt sich nicht vermeiden. Wo Liebe ist, wird es manchmal auch Schmerz geben.

Angst davor zu haben, aufhören zu lieben und sich völlig zu verschließen ist Dummheit. Viele Leute tun es jedoch.

Mit der Liebe aufzuhören, weil sie manchmal schmerzt, ist absolut kein intelligenter Entscheid.

Es ist das Dümmste, was man überhaupt tun kann.

Denn diejenigen, die durch das bisschen Kneifen hindurchgleiten und weitergehen, werden die wahre, glückselige Liebe erfahren.

F.: Gurudev, warum müssen Menschen durch all diese Prozesse gehen, um Erleuchtung zu erlangen?

Sri Sri Ravi Shankar:
Es ist notwendig, das ist alles, was du für den Augenblick wissen musst.

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