Die Evolution des Geistes

28.05.2013

Bangalore, India

Die Evolution des Geistes geschieht in drei Stufen.

Bei der ersten Stufe besteht Maya (Illusion), aber man ist sich dessen nicht bewusst. Das bedeutet, dass man so in Maya gefangen ist, dass man es noch nicht einmal bemerkt.

Jemand unterliegt zum Beispiel einer Täuschung oder hat eine falsche Vorstellung in seinem Geist und weiß nicht, dass es sich um eine falsche Vorstellung handelt. Er denkt, es sei die Wahrheit. Das ist die erste Stufe.

Bei der zweiten Stufe ist man in einer Täuschung gefangen, weiß aber gleichzeitig, dass es eine Täuschung ist.

In dieser Stufe weiß die Person, dass die Illusion sie völlig eingewickelt hat, und dass ihre Probleme eine Folge davon sind.

Die dritte Stufe ist diejenige, bei der man völlig frei von Illusionen ist und davon völlig unberührt bleibt. Die Person weiß, dass Maya ihr nichts anhaben kann.

Das sind also die drei Stufen. In der ersten Stufe ist die Person elend wegen ihres eigenen Geistes. Selbst wenn sie still sitzt, erscheinen alle Arten von Gedanken von überallher in ihrem Geist. Sie kann keinen Augenblick lang Ruhe finden.

Der Geist ist so sehr mit diesen Gedanken beschäftigt, dass er der Täuschung verfällt und unfähig ist, zu erkennen, dass er in der Täuschung gefangen ist.

Wir alle haben schon jemanden beobachtet, der einer Täuschung erlegen ist, nicht wahr? Wir können dann feststellen, dass die Person nicht fähig ist, die Wahrheit zu erkennen.

Manche Menschen haben die irrige Vorstellung, die ganze Welt sei gegen sie. Dabei ist es schon einmal so, dass nicht die ganze Welt die Person kennt. Außerdem hat niemand Zeit, um überhaupt über diese Person nachzudenken. Dennoch geht sie davon aus, die ganze Welt habe sich gegen sie verschworen, sei ihr Feind und trachte ihr nach dem Leben. So eine Täuschung ist auch eine Folge von Maya.

Manchmal geschieht auch das Gegenteil. Eine Person hat das Gefühl, alle würden die ganze Zeit nur sie sehen und in den Himmel heben.

Solche Menschen leben ihr ganzes Leben mit diesen Täuschungen, und sie sterben auch damit.

Oft können Menschen die Täuschungen anderer Menschen leicht erkennen, nicht aber die eigenen. Sie halten ihre eigenen Täuschungen für Realität.

Wir können erkennen, dass die andere Person einer Täuschung erlegen ist, aber wenn es mit uns selbst geschieht, können wir die Täuschung nicht erkennen.

Wir sind so beschäftigt mit Gedanken über andere Menschen. Dauernd denken wir über irgendetwas nach, und der Geist findet keinen Frieden, noch nicht einmal für einen Augenblick.

Sogar im Satsang ist der Geist in einem Strudel von Gedanken gefangen, die eine Folge von Maya sind.

Das ist die erste Stufe, in der man sich elend fühlt und sich nicht bewusst ist, in der Illusion (Maya) gefangen zu sein.

Auf der zweiten Stufe ist einem bewusst, dass alles, was geschieht, nichts als eine Täuschung ist, die von Maya hervorgerufen wird. Dennoch ist man unfähig, es zu überwinden.

Du kannst erkennen, dass dein Urteil über verschiedene Personen sich als völlig falsch erwiesen hat. Du stellst fest, dass sie nicht so sind, wie du dachtest.

Welche Eindrücke auch immer in deinem Geist über andere entstanden sind, sie haben sich alle als falsch erwiesen.

Du bist in der Lage zu erkennen, dass das alles eine Täuschung ist. Obwohl du dir dessen bewusst bist, schaffst du es jedoch nicht, daraus herauszukommen.

Wenn wir in einer Täuschung verfangen und uns dessen nicht bewusst sind, fühlen wir uns von den Menschen um uns herum gestört. Das ist die erste Stufe.

Finden wir heraus, dass das alles nur eine Schöpfung unseres eigenen Geistes ist, so werden wir auf uns selbst wütend und fühlen uns durch unseren eigenen Geist gestört.

Wir wissen, dass wir uns wegen unseres eigenen Geistes elend fühlen und nicht wegen der anderen. Das ist die zweite Stufe.

Auf der ersten Stufe ist eine Person in einer Täuschung verfangen und ist sich dessen nicht bewusst. Deshalb macht sie lieber die Welt und nicht den eigenen Geist für die Umstände verantwortlich. Da sie die Welt aber nicht verbessern kann, beginnt sie, sich hilflos und ärgerlich zu fühlen. Das aber verstärkt die gewalttätigen Tendenzen in ihr.

Jene, die sich wenigstens bewusst sind, dass es ihr eigener Geist ist, der sie beunruhigt, sind etwas intelligenter als jene, die sich auf der ersten Stufe befinden. Diese Menschen geben nicht der Welt die Schuld für ihre Lebenslage oder für ihr Elend. Stattdessen beschuldigen sie sich selbst und bleiben darin stecken. Ihre Selbstbeschuldigungen führen dazu, dass sie sich in Schuldgefühlen verfangen.

In der dritten Stufe, die über den beiden ersten Stufen steht, bleibt man von Maya unberührt.

In dieser Stufe ist eine Person sich voll bewusst, dass alles wegen Maya oder wegen des Geistes geschieht, und sie verstrickt sich nicht darin.

Sie weiß, dass das die Natur des Geistes ist, und dass Illusion die Natur von Maya ist. Außerdem ist ihr bewusst, dass sie nicht der Geist ist, und sie lässt sich nicht von der Illusion in eine Falle locken.

Sie wehrt sich nicht gegen die Natur des Geistes und mischt sich auch nicht ein. Ebensowenig lässt sie sich von Maya einfangen. Sie lässt beide so funktionieren, wie sie es tun müssen.

Solche weisen Menschen wissen, dass der Geist durch viele Faktoren beeinflusst werden kann.

Ein gutes Beispiel ist das Essen, das wir zu uns nehmen. Es gibt ein Sprichwort, das besagt: „Du bist das, was du isst.“ Hier ist gemeint, dass das, was du isst, deinen Geist und dein Verhalten beeinflusst.

Der Geist wird also durch die Nahrung, die du zu dir nimmst, durch die Umgebung, in der du dich aufhältst und durch bestimmte Zeitqualitäten, in denen du dich möglicherweise befindest, beeinflusst.

Die Zeit hat eine Wirkung auf den Geist. Es gibt Beispiele, bei denen – wegen der Zeitphase, in der du dich befindest – in deinem Geist Stürme von Emotionen entstehen.

Die Zeit, die Nahrung und die Umgebung sind also die drei Faktoren, die den Geist beeinflussen.

So versteht ein Weiser, dass Maya auf die Art funktioniert, wie es von der Natur vorgesehen ist, und kann sich einfach entspannen und im Selbst ruhen.

Das ist wahres Wissen. Der Geist wird durch dieses Wissen vom Schmutz der Illusion gereinigt und kann sich davon befreien, sich in Maya zu verfangen. Auch der Intellekt wird durch dieses Wissen gereinigt und trennt sich von Maya ab.

Menschen, die über eine solche Reinheit des Intellekts verfügen, bleiben unberührt, was immer sie auch tun mögen.

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