Die Göttlichkeit im Inneren ehren

Mi, 08/21/2013

Bangalore, India

Heute ist Rakshabandhan, deshalb möchte ich etwas darüber sagen. Oft wird geglaubt, die Schwester würde dem Bruder das heilige Band um das Handgelenk binden und ihn darum bitten, sie für immer zu beschützen. Das ist die gängige Meinung, nicht wahr? Aber das ist ganz und gar nicht die Essenz und der Geist von Rakshabandhan! Das wahre Geheimnis von Rakshabandhan ist, dass die Schwester mit dem Anlegen des Bandes um das Handgelenk ihres Bruders sagen will: „Ich werde dich immer beschützen!” Es sind also die Schwestern, die um den Schutz und das Wohlergehen ihrer Brüder beten. Das ist es, was Rakshabandhan wirklich bedeutet.
Ähnlich ist es bei Shravani Upakarma. Shravani Upakarma ist eine Zeremonie während des heiligen Monats von Shravan, bei der das Band, das man seit der Upanayanam Zeremonie getragen hat, gegen ein neues ausgetauscht wird. Dieses heilige Band wird Janeu genannt und regelmässig gewechselt. Dabei werden alle vorgeschriebenen Rituale durchgeführt. Zur Zeit des Wechsels wird das Gayatri Mantra gesungen. Gayatri ist keine Göttin mit fünf Gesichtern, die auf einem Lotus sitzt. Das wurde erst viel später von Menschen zum traditionellen Glauben gemacht. Das Gayatri Mantra ist ein Samuhik Mantra (ein Mantra/Gebet für das Wohlbefinden aller, nicht nur für das eigene Wohlbefinden). Im letzten Teil des Mantras heißt es: „Dhiyo Yonaha Prachodayat.” Es bedeutet, dass man zum Göttlichen beten und sagen soll: „Möge jedermanns Intellekt durch das Licht des Göttlichen erleuchtet werden.” Es wird nicht nur für den Intellekt einer einzelnen Person gebetet. Nein, es wird für den kollektiven Intellekt gebetet, darum, dass der Intellekt eines jeden Menschen von Negativität befreit und mit dem göttlichen Licht erleuchtet werde. Das Mantra spricht in der Mehrzahl, nicht in der Einzahl. Deshalb heißt es: „Bhargo Devasya Dhimahi.” Das bedeutet: „Möge dein göttliches Licht die Sünden meines begrenzten Intellekts zerstören und zu Asche werden lassen. Und möge unser aller Intellekt mit deinem göttlichen Licht erleuchtet werden.” Das ist das Gebet, das durch das Gayatri Mantra gesprochen wird. Es wird als das höchste Gebet an Gott betrachtet, und das ist mit Sicherheit so. Es schließt auch alle Welten der feinstofflichen Schöpfung mit ein. Es gibt so viele Welten in unserem eigenen Körper. Es gibt sieben Lokas und sieben Energiezentren, die Chakren, in unserem Körper, und jedes Chakra ist mit einem bestimmten Loka verbunden. Es gibt auch sieben Ebenen unserer Existenz und sieben Ebenen des Wissens. Mit Hilfe des Gayatri Mantras beten wir, dass wir Fortschritte machen und durch die sieben Zentren der Existenz bis zum Licht der göttlichen Existenz aufsteigen können, und dass wir Erfüllung und Zufriedenheit auf jeder dieser sieben Ebenen unserer Existenz erfahren dürfen. Es ist ein Gebet, das uns dazu befähigen soll, das Ewige zu akzeptieren und mit ihm eins zu werden.
Schau, die Luft zum Beispiel ist immer vorhanden. Wenn du tief einatmest, akzeptierst du sie vollständig. Dasselbe gilt für Chaitanya Shakti (das machtvolle Bewusstsein), das überall und zu allen Zeiten um dich herum gegenwärtig ist. Durch das Gayatri Mantra akzeptierst du dieses wundervolle Bewusstsein um dich herum und wirst eins mit ihm. Das geschieht mit großer Ehrerbietung und vollkommener Bewusstheit. Was geschieht als Folge davon? All deine Sünden werden zu Asche verbrannt, und du bist gereinigt. Das Wort Bhargo im Mantra bedeutet, dass alle Sünden gereinigt werden. Durch das Gayatri Mantra beten wir also: „Möge das Licht des Göttlichen in meinem Intellekt vorhanden sein, und möge es mir möglich sein, es aufrechtzuerhalten. Möge es unser aller Geist und Intellekt erleuchten und uns zu noblen Gedanken und Handlungen inspirieren.” Das ist die Essenz des Gayatri Mantras und auch der Gayatri Upasana. Meditiere nicht mit einem Bild von Gayatri als Göttin im Geist. Wenn du meditierst, solltest du dich daran erinnern und dir bewusst sein, dass dein Selbst das göttliche Licht des Bewusstseins ist, das für immer in deinem Inneren leuchtet. Die Sonne wird gewöhnlich als Gottheit betrachtet, aber das ist nicht wirklich so. Im Mantra sagen wir: „Tat Savitur-varenyam.” Das Wort Savitur bezieht sich auf Savitra Devta (eine Sonnengottheit, die in der Rigveda und in einer der zwölf Adityas erwähnt wird). Sie gilt als verantwortlich für das Licht der Sonne. Hier bedeutet es: Jemand – Paramatma (höchste Seele oder höchstes Bewusstsein) – , der alles erleuchtet, jedermann reinigt und alle Sünden wegwäscht. Das ist mit Savitra gemeint. Wenn wir Savitur sagen, meinen wir, dass wir zu Gott selbst beten, zum Parabrahman, auf den sich die Bezeichnung Savitra bezieht. Das ist hier die tiefere Bedeutung.

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