Gelassenheit ist eine Eigenschaft von Heiligen

23.01.2013

Bangalore, India

F.: Gurudev, was ist die Bedeutung von Buße oder selbst auferlegter Askese? Wie müssen wir diese Dinge verstehen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Tapasya (Ausübung von physischer und geistiger Strenge und Disziplin) hilft dabei, alle Organe zu reinigen und sie von Verunreinigungen zu befreien. Der ganze Körper wird gereinigt, und alle Sinnesorgane werden dadurch stärker.
Tapasya wird nicht ausgeübt, um Gott zu gefallen oder um Selbstverwirklichung zu erlangen, sondern um Körper und Geist zu stärken.
Es gibt viele Heilige, besonders unter den Jainisten, die Tapasya auf sehr harte Weise ausüben. Sie sind in der Lage, lange Distanzen barfuß zurückzulegen. Sie empfinden weder die Kälte des Winters noch die Hitze des Sommers sehr stark. Sie entwickeln eine Resistenz gegenüber extremen klimatischen Bedingungen, weil sie Tapasya ausüben. Dies ist einer der Vorteile davon.
Es sollte jedoch auf keinen Fall übertrieben werden. Zu viel davon, oder den eigenen Körper allzu sehr zu belasten, ist keineswegs empfehlenswert. Es ist falsch, so etwas zu tun.
Es gibt Menschen, die an vier Stellen um sich herum und zusätzlich noch auf dem Kopf Feuer brennen lassen und dabei meditieren. Das wird Panchagni tapasya genannt. So etwas ist nicht notwendig. Den Körper auf diese Weise zu foltern ist falsch und sollte vermieden werden. Ein wenig Tapasya ist jedoch notwendig.
Es heißt, Tapasya bedeute, Gegensätze zu ertragen.
Wenn du mit dem Bus zwölf Stunden lang reist und dabei sitzen musst, so ist das auch eine Art von Tapasya.
Tapasya bedeutet, in Gelassenheit zu verharren und alles zu ertragen, was auftaucht, sei es nun heiß oder kalt, gut oder schlecht, Lob oder Tadel.
Kannst du dir Beschimpfungen mit derselben Gelassenheit anhören wie Komplimente? Das ist Tapasya.
Wenn dich jemand lobt, so hörst du mit einem Lächeln zu. Kannst du mit dem gleichen Lächeln und mit der gleichen Gelassenheit zuhören und beobachten, was in deinem Inneren geschieht, wenn dich jemand kritisiert? Das ist Tapasya.
Wenn du etwas nicht magst, aber fähig bist, es zu ertragen, dann ist das Tapasya.
Wenn du etwas magst und es miterleben kannst, ohne darüber fiebrig zu werden, dann ist das Tapasya.
Gegensätze zu ertragen wird Tapasya genannt, und das ist unerlässlich im Leben.
Wir werden in dem Ausmaß Stärke und Stabilität entwickeln, wie wir uns Tapasya unterziehen.

F.: Gurudev, du hast oft gesagt, das Wissen sollte wie Seife verwendet werden. Wenn es aber abgewaschen werden muss, wie kann es da ein Symbol für unsere wahre Natur sein? Bedeutet das, dass das Wissen nicht unserer wahren Natur entspricht?
Sri Sri Ravi Shankar:
Es gibt zwei Arten von Wissen.
Die eine Art des Wissens ist das Wissen über das Selbst, das unserer wahren Natur entspricht. Die andere Art des Wissens ist diejenige, die wie Seife verwendet werden sollte.
Weißt du, warum es heißt, man solle das Wissen wie Seife verwenden?
Damit du nicht arrogant wirst, weil du das Wissen besitzt.
Du solltest nicht denken, dass du sehr viel weißt, dass du alles weißt.
Du solltest deshalb auch nicht egoistisch werden.
Um also ein solches Ego loszuwerden, muss das Wissen wie Seife verwendet werden.
Das ist die eigentliche Bedeutung.

F.: Lieber Gurudev, woraus besteht die Kraft des Unterbewusstseins, und wie können wir es nutzen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Das Bewusstsein macht tatsächlich nur ein Zehntel des Unterbewusstseins aus. Das Unterbewusstsein hat also eine große Macht.
Stell dir vor, du bist an einer Pyjama Party, ihr seid acht Leute, und alle schlafen. Wenn nun jemand deinen Namen ruft, wirst nur du antworten. Die anderen werden in tiefem Schlaf verharren. Ist es nicht so? Habt ihr das schon festgestellt?
Das zeigt an, dass selbst dein Name tief im Unterbewusstsein verwurzelt ist.
Meditation ist der Weg, um das Unterbewusstsein immer mehr bewusst werden zu lassen.

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