Tiefenentspannung mit Yoga Nidra

Yoga Nidra oder der „Schlaf des Yogi“ ist eine sehr alte Technik, die wenig bekannt ist. Sie erfährt in jüngster Zeit aber immer Aufmerksamkeit, nicht zuletzt aufgrund ihres therapeutischen Effekts für Körper und Geist.

"Im Frühling 2008 war ich auf der Suche nach einem Yogakurs, der so richtig gut zu mir passt. Einer meiner Freunde schlug mir vor, es doch mal mit Sri Sri Yoga zu versuchen, einem Kurs, den er zuvor selbst besucht hatte. Ohne zu zögern, schrieb ich mich kurzerhand ein. Der Kurs fand also statt, und wir lernten ganz wunderbare Yogastellungen. Am Ende des Unterrichts schwitzten wir alle ganz schön. Muskeln, von denen wir nicht einmal wussten, dass wir sie haben, machten sich auf einmal lautstark bemerkbar. Unser Lehrer lächelte und bat uns, uns in die Totenstellung (Shavasana) zu begeben. Als ich so dalag, war ich mir sicher, dass ich sofort einschlafen würde. Doch dann passierte etwas, was ich mir nicht hatte vorstellen können.

Wir sollten also die Augen schließen. Dann führte uns der Yogalehrer im Geiste zu verschiedenen Stellen unseres Körpers. Als der Prozess begann, begab ich mich immer tiefer in mein Inneres und war entspannt und ruhig. Noch nie hatte ich mich so leicht und im Einklang mit mir selbst gefühlt. Der Lehrer erklärte uns, dass dies Yoga Nidra oder der „Schlaf des Yogi“ sei. Die Erfahrung veranlasste mich dazu, dieses Wunder all denen weiterzugeben, die noch nie von Yoga Nidra gehört haben."

Yoga Nidra oder der „Schlaf des Yogi“ ist eine Form von Meditation oder Entspannung, die nachweislich von Ruhelosigkeit und Angst befreit. Es ist ein Zustand, der dem des Tiefschlafs ähnelt, einem Tiefschlaf, bei dem wir uns unserer selbst jedoch voll bewusst sind; ein Zustand zwischen Schlafen und Wachen, bei dem unser Körper entspannt, während unser Geist auf einer tieferen Ebene arbeitet. Um es einfacher zu formulieren: Während Yoga Nidra beobachtet unser Geist die körperliche Entspannung und beruhigt sich dabei selbst.

Allgemein als Entspannungsprozess bekannt, hat Yoga Nidra auch heilende Wirkung. Bei dem Prozess werden wir durch jede Schicht (Kosha) unseres Seins geführt, sei es die körperliche, mentale, emotionale oder spirituelle Ebene. Der „yogische Schlaf“ heilt, indem er Spannungen und Stress auf jeder dieser Ebenen löst. Er führt uns zu einem Punkt, an dem wir zu uns selbst finden, uns von der Welt lösen und uns in Richtung „Erwachen“ entwickeln. Diesen Zustand bezeichnet man im Allgemeinen als „Samadhi“.

Vorteile von Yoga Nidra

Unser Körper weiß sehr gut, was er tun muss, um gesund zu bleiben. Yoga Nidra kann ihn dabei unterstützen. Durch den „Schlaf des Yogi“ gelangen wir in einen Zustand, in dem wir die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Yoga Nidra wirkt auf einer tieferen Ebene unseres Seins und hat die Kraft, negative Grundeinstellungen zu transformieren. Auf diese Weise verbessern wir unseren Gesundheitszustand, wir leben glücklicher und zufriedener, weil wir uns selbst dabei immer näher kommen.

Gemäß zahlreicher Studien, die an so renommierten Universitäten, wie der Banaras Hindu University, der Ohio State University, dem Medical College of Ohio etc. durchgeführt wurden, verhindert und heilt die regelmäßige Ausübung von Yoga Nidra viele Beschwerden. Dazu gehören unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychosomatische Störungen, Schlaflosigkeit, hoher Blutdruck und multiple Sklerose. Der „yogische Schlaf“ sorgt auch für eine Zunahme der Helferzellen in unserem Körper, die dazu da sind, ansteckende Krankheiten zu bekämpfen. Außerdem aktiviert er unsere Selbstheilungskräfte, die unseren Gesundheitszustand und unser allgemeines
Wohlbefinden verbessern.

Yoga Nidra in der Praxis

Das Wesen von Yoga Nidra kann man nur erfahren, wenn der Körper Entspannung benötigt. Die Ausübung ist also nur dann sinnvoll, wenn wir trainiert haben, und unser Körper wieder zur Ruhe kommen soll. Der „yogische Schlaf“ ist umso nutzbringender, je mehr wir zuvor die Muskeln beanspruchende Yogaübungen gemacht haben.

Und los geht`s

1. Begeben Sie sich in Shavasana (Totenstellung): Legen Sie sich dafür gerade auf den Rücken, die Arme am Körper entlang ausgestreckt, die Handflächen zeigen nach oben. Schließen Sie Ihre Augen und entspannen Sie sich. Atmen Sie ein paar Mal tief ein und aus (keine Ujjayi-Atmung).

Tipp: Ist die Stellung unbequem für Sie oder verspüren Sie Schmerzen im unteren Rücken, legen Sie ein Kissen unter die Knie.

2. Fangen Sie an, indem Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren rechten Fuß lenken.

Verweilen Sie ein paar Sekunden dort und entspannen Sie Ihren Fuß. Gehen Sie dann mit Ihrer Aufmerksamkeit langsam zu Ihrem rechten Knie, dem rechten Oberschenkel und der rechten Hüfte und verweilen Sie auch dort jeweils ein paar Sekunden. Nehmen Sie nun Ihr gesamtes rechtes Bein bewusst wahr. Wiederholen Sie diesen Vorgang für das linke Bein.

3. Schenken Sie auf diese Weise Ihrem gesamten Körper Aufmerksamkeit: Gehen Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit zu Ihren Genitalien, der Gegend um den Nabel, zum Magen, der Brust, der rechten Schulter und dem rechten Arm, gefolgt von der linken Schulter und dem linken Arm, dem Hals, dem Gesicht und der obersten Stelle am Kopf.

4. Nehmen Sie nun Ihren gesamten Kopf wahr und spüren Sie dann nochmals Ihren gesamten Körper.

5. Atmen Sie tief ein, beobachten Sie die Empfindungen in Ihrem Körper und entspannen Sie einige Minuten.

6. Werden Sie sich nun Ihres Körpers und Ihrer Umgebung bewusst und drehen Sie sich auf die rechte Seite. Bleiben Sie auch hier noch einige Minuten liegen. Werden Sie sich nun Ihres Körpers und Ihrer Umgebung bewusst und drehen Sie sich auf die rechte Seite. Bleiben Sie auch hier noch einige Minuten liegen.

Yoga Nidra ist eine freudvolle und entspannte Art, Ihre Yogaübungen zu beenden.
Genießen Sie die Erfahrung!