Vertrauen ist das Rückgrat eines Unternehmens

09.02.2013

Bangalore, India 

Sri Sri Ravi Shankars Schlusswort anlässlich der zweitägigen Veranstaltung Corporate Culture & Spirituality (Unternehmenskultur und Spiritualität)

Bangalore, 9. Februar 2013

Ihr Lieben auf dem Podium und im Publikum

Jeder Anfang hat ein Ende, und jedes Ende bringt einen Neuanfang. Das ist die Aussage eines alten Sprichwortes.

Wir haben hier also kein Ende, sondern tatsächlich einen Neubeginn.

Nun, ich hoffe, alle, die an dieser Konferenz teilgenommen haben, konnten sie genießen und etwas dazu beitragen, was der Allgemeinheit von Nutzen sein wird.

Wenn handfeste Aktionen und greifbare Schritte vorwärts unser Ziel sind, dann ist diese Art von Veranstaltung von Zeit zu Zeit nützlich.

Ich bin glücklich darüber, dass sich die Unternehmerwelt aus vielen verschiedenen Regionen Indiens und der Welt in den letzten zwei Tagen hier zusammengefunden hat.

Die Zeit war zu kurz, und es gab viele weitere Anfragen. Viele Menschen aus Südamerika, Südafrika und anderen Teilen des afrikanischen Kontinents wären auch gerne gekommen.

Das lässt sich – denke ich – nicht im Voraus planen. Es wird irgendwann in der Zukunft geschehen.

Ihr Engagement, Ethik in die Gesellschaft zu bringen, hat der Bevölkerung Hoffnung gegeben. Vertrauen ist das Rückgrat eines Unternehmens. Ist kein Vertrauen vorhanden, so kann kein Unternehmen bestehen. Wenn das Vertrauen abhandengekommen ist, besteht unsere wichtigste Aufgabe darin, es wiederherzustellen.

Wenn die Auffahrt zu Ihrem Haus beschädigt oder voller Schnee ist, so müssen Sie Schnee schaufeln, oder sie in Ordnung bringen. Nur dann können Sie mit Ihrem Auto hineinfahren. Sie können das Auto nicht allzu lange auf der Straße lassen.

Genauso muss das Vertrauen des einfachen Volkes in die Unternehmen aufgebaut werden, um den Menschen die Zuversicht zu geben, dass es da draußen gute Menschen gibt, die sich um sie kümmern werden.

Ich bin ausgiebig in Europa herumgereist, und in den letzten Jahren haben die Menschen das Vertrauen in die Banken verloren, was in der Vergangenheit niemals der Fall gewesen ist.

Die Menschen möchten ihr Geld nicht mehr auf den Banken lassen, weil sie nicht wissen, ob und wann die Bank vielleicht Bankrott gehen wird.

Ich spreche von den armen, nicht von den reichen Menschen, von gewöhnlichen, durchschnittlichen Menschen der Mittelklasse und der unteren Mittelklasse. Es ist also wichtig, diesen Menschen die Sicherheit wiederzugeben, dass in der Gesellschaft und in den Unternehmen Ethik und Humanismus herrschen.

Sei es nun Kapitalismus, Kommunismus oder Säkularismus: Kein „-ismus” kann ohne Humanismus funktionieren. Der Kommunismus ist zusammengebrochen, der Kapitalismus ist zusammengebrochen, der Säkularismus ist zusammengebrochen, weil den menschlichen Werten und dem Humanismus in der Gesellschaft zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

Veranstaltungen wie diese können uns dazu motivieren, unser Unternehmen mit einer sozialen Verpflichtung weiterzuführen, der Verpflichtung zu Corporate Social Responsibility (CSR, soziale Verantwortung der Unternehmen), die unsere Welt zu einer neuen Dimension von Hoffnung und Zufriedenheit führen wird.

In der Vergangenheit wurde immer nur vom Bruttoinlandsprodukt gesprochen. Ich bin froh, dass heute selbst in den Vereinten Nationen vom einer „Bruttoinlandszufriedenheit” gesprochen wird. Diese Zufriedenheit ist unser Ziel.

Ziel der Spiritualität ist es, eine Zufriedenheit zu bringen, die einem niemand mehr nehmen kann, der Bevölkerung eine Zufriedenheit zu geben, die nicht entschwindet. Spiritualität kann außerdem die so notwendige Energie bringen, die es uns ermöglicht, Herausforderungen mit einem Lächeln zu meistern, ein mitfühlenderes Herz zu haben und kreativer zu werden, anstatt eine destruktive Haltung einzunehmen.

In diesem Zusammenhang können wir erkennen, wie wichtig Spiritualität für die heutige Welt ist.

In unserer Wohlstandsgesellschaft können wir Kinder sehen, die sich auf Gewalt einlassen. Da gab es ein Kind, das einfach ein Gewehr nahm und mehrere Menschen tötete. Das geschah, weil es den Unterschied zwischen der virtuellen und der realen Welt nicht erkennen konnte.

Die Kinder spielen gewalttätige Spiele auf dem Computer. Bei diesen Spielen werden Menschen erschossen, die dann wieder ins Leben zurückkehren. Die Kinder können nicht erkennen, dass im wirklichen Leben Menschen nicht mehr aufstehen und weitergehen, wenn man sie erschossen hat.

Wir müssen uns mit den Problemen von steigender Gewalt, der Unzufriedenheit, des Misstrauens und der Depressionen auseinandersetzen. Spiritualität bietet dafür eine Antwort. Spiritualität kann die Grundursache der Gewalt beseitigen. Sie ist in der Lage, den Menschen inneren Frieden zu bringen.

Wir sprechen von Weltfrieden. Wenn wir jedoch in uns selbst, mit unserer Familie, unserer Gemeinschaft und unserer Umwelt keinen Frieden haben, wie sollen wir dann etwas für den Weltfrieden tun können? Das ist so gut wie unmöglich.

Wir müssen also dafür sorgen, dass das Individuum Frieden findet, seine Kommunikationsfähigkeiten sich verbessern und sein Mitgefühl eine Ausdrucksmöglichkeit findet. In jedem Menschen ist Mitgefühl vorhanden, aber er findet in der Gesellschaft keine Möglichkeit, es auszuleben. Durch ehrenamtliche Tätigkeit kann das eigene Mitgefühl einen Ausdruck finden und die Gewalt beendet werden.

Der Unternehmenssektor spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Gewalt in der Gesellschaft zu verringern. Wir sollten nicht denken, wir hätten damit nichts zu tun!

Heute hat Herr Arondekar gefragt: „Was habe ich mit Unternehmen oder Spiritualität zu tun?”

Ich antwortete: „Eine ganze Menge, denn Sie sind ein Polizeibeamter.”

Nur wenn Frieden besteht, kann es Wohlstand geben. Unternehmen können nur Erfolg haben, wenn es in der Gesellschaft Recht und Ordnung gibt. Sonst kann kein Unternehmen erfolgreich weiterbestehen.

Deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass die Handelskammer von Karnataka einen unserer bekanntesten Polizeibeamten eingeladen hat, um vor der Versammlung hier eine Rede zu halten.

Wir brauchen in jedem Bereich Integrität. In der Politik sind Politiker notwendig, die ein gutes Ansehen genießen, die dafür bekannt sind, den Menschen und nicht sich selbst dienen zu wollen. Es gibt heutzutage viele solche Politiker, hier auf dem Podium und hier im Publikum zum Beispiel, die sich für eine bessere Welt engagieren.

Es hat alles mit Zufriedenheit zu tun, die eine Komponente der Spiritualität ist.

Wir alle haben ein Ziel, nämlich mehr Lächeln auf dem Gesicht möglichst vieler Menschen auf diesem Planeten zu sehen.

Mit diesen paar Worten möchte ich Sie alle nochmals beglückwünschen.

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