Von den Bananen bis zur Glückseligkeit

16.05.2013

Bangalore, India

F.: Gurudev, was empfiehlst du uns, von hier mit nach Hause zu nehmen?

Sri Sri:
Hör zu, das ist so, als würdest du im Supermarkt fragen, was du mitnehmen sollst. Was denkst du, was die Angestellten wohl denken würden? Sie würden dir sagen: „Nimm alles mit, was du kannst!”

Hier im Ashram steht alles zur Verfügung, von der Glückseligkeit bis zu den Bananen!

Manche kommen mit wenig Hingabe her und nehmen nur ein Stück Banane mit, das sie süß finden. Andere kommen mit vollkommener Hingabe und nehmen Glückseligkeit mit. Du kannst um alles bitten, was du möchtest, und alles nach Hause nehmen, was du dir wünschst. Es wird dir alles gegeben werden. Lass all deine Probleme und Sorgen hier zurück!

F.: Gurudev, in der Ashtavakra Gita heißt es: „Kümmere dich nicht darum, wer handelt. Du bist nicht der Handelnde.” In der Bhagavad Gita aber wird gesagt, dass du eine Wahl hast, wenn du im Selbst gegründet bist. Wie kann ich eine Wahl haben, wenn ich nicht der Handelnde bin?

Sri Sri:
Es gibt viele Ebenen des Wissens. Wenn du nicht der Handelnde bist, wirst du auch nicht derjenige sein, der die Früchte des Karmas zu tragen hat. Und wenn du nicht derjenige bist, der die Früchte des Karmas tragen wird, wo bleibt dann die Frage nach irgendeiner Wahl? Verstehst du?

Es ist wie bei der Quantenphysik, die davon ausgeht, dass alles aus Atomen und Molekülen besteht. Also bestehen sowohl ein Stück Kohle als auch ein Stück Diamant aus Atomen.

Wenn du es so betrachtest, dann gibt es zwischen Kohle und Diamant keinen Unterschied, da sie ja aus derselben Art von Atomen bestehen. In der Praxis jedoch kann ein Diamant nicht die Funktion der Kohle übernehmen, genauso wenig, wie du Ohrringe aus Kohle tragen wirst.

Es gibt also einen Unterschied zwischen der praktischen und der spirituellen Wahrheit. Wenn du beide im Leben verbindest, dann erfährst du Vollständigkeit.

Es ist falsch, dauernd zu wiederholen: „Ich bin nicht der Handelnde, trage aber die Früchte meines Karmas!” Sobald du die Früchte irgendeiner Handlung trägst, wirst du automatisch zum Handelnden.

Deshalb sagt Krishna: „Kiḿ karma kim akarmeti. kavayo ‘py atra mohitāḥ.” „Selbst der größte Heilige und der intelligenteste Mensch sind verwirrt, wenn sie entscheiden müssen, welche Handlung sie vollbringen sollen und welche nicht. Ich werde euch erklären, was eine Handlung ist, aber zuerst müsst ihr auf dem Pfad des Yoga standhaft, d.h. ein Yogi werden.”

Bist du ein Yogi geworden, so wird sich jede deiner Handlungen natürlich und mühelos und in jeder Hinsicht als richtig erweisen.

F.: Gurudev, wenn Liebe bedeutet, Freude und Zufriedenheit zu verbreiten, warum schmerzt sie dann so sehr?

Sri Sri:
Weißt du, unsere erste Erfahrung, wenn wir auf diesen Planeten kommen, ist Schmerz. Als wir aus dem Mutterleib heraustraten, war das schmerzhaft, sowohl für die Mutter als auch für das Kind.

Während neun Monaten treibt das Kind zufrieden im Mutterleib und tut sonst nichts. Die Nahrung wird ihm direkt zugeführt, und es muss noch nicht einmal kauen.

Als Baby waren die Umstände während neun Monaten außerordentlich glückselig, bis plötzlich das Wasser verschwand, und du gezwungen wurdest, aus dieser Komfortzone herauszutreten. Das war schmerzhaft für dich und deine allererste Erfahrung, als du auf diesen Planeten kamst.

Es war so schmerzhaft, dass du zu weinen begannst. Hättest du das nicht getan, so hätten deine Eltern geweint! Also weintest du, und die Menschen um dich herum lachten, weil sie so viel Freude und Glück über deine Geburt empfanden. Stell dir vor, wie das gewesen sein muss, als du wegen deiner Geburt geweint hast, während alle anderen glücklich darüber waren.

Deine zweite Erfahrung war Liebe. Nachdem du geboren warst, nahm dich deine Mutter in ihre Arme, und du fühltest so viel Liebe und Fürsorge. Jedes Mitglied der Familie liebte dich: Deine Großmutter, dein Großvater, Onkel, Tanten, alle! Sie liebten dich so sehr und schenkten dir ihre ganze Aufmerksamkeit. All das geschah aber erst, nachdem du durch einen gewissen Schmerz gegangen warst, nicht wahr? Schmerz ist also ein Teil der Liebe, und du solltest die bittere Pille ganz einfach schlucken. Das ist gut für dich. Versuche nicht, vor dem Schmerz davonzulaufen. Wenn du vor dem Schmerz davonläufst, läufst du auch vor der Liebe davon.



F.: Wie kann man sich von Schuld befreien?

Sri Sri:
Warum möchtest du sofort alle Schuld loswerden? Ein wenig Schuld ist sogar gut für dich. Wenn die Schuld dich ein wenig piekst, wird dich das davon abhalten, den gleichen Fehler immer wieder zu begehen. Es ist also in Ordnung, ein wenig Schuld zu behalten. Wenn es allerdings zu stark wird, müssen wir wieder hinschauen.

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