Was geschieht, geschieht

07.03.2013

Bangalore, India

F.: Gurudev, wie kann ich mein Leben im vollsten Vertrauen leben, dass der Guru – oder Gott – sich um mich kümmern wird, wenn ich ihm alles übergeben habe?

Sri Sri Ravi Shankar:
Es gibt keine Möglichkeit, das zu tun. Du musst das Kreuz ganz einfach tragen. Sage einfach: „Was geschieht, geschieht”, und beobachte, was sich ereignet.

Wenn du versuchst, Vertrauen aufzubauen, wird das keineswegs funktionieren.

„Ich möchte mein Vertrauen aufrechterhalten!” Was für ein Vertrauen willst du aufrechterhalten? Wirf dein Vertrauen weg! Ich sage dir, der Versuch, das Vertrauen aufrechtzuerhalten wird zu einer Last werden. Sage statt dessen: „Es ist mir gleichgültig!”

Wenn Vertrauen vorhanden ist, ist es vorhanden. Wenn nicht, dann nicht, was willst du dagegen tun? So einfach ist das. Auch Vertrauen ist ein Geschenk. Du kannst es dir nicht aufwingen, weder in den Kopf noch ins Herz.

Manchmal regt sich etwas in dir und zieht dich in Richtung Vertrauen, sogar dann, wenn dein Kopf – mit all dem Geplapper und all der Negativität – Vertrauen ablehnt. Anerkenne es einfach, wenn das geschieht. Und es geschieht mit Sicherheit.

Da gibt es jemanden, der behauptet, an nichts zu glauben, aber dennoch meditiert. Und wenn du ihn fragst, warum er das tue, antwortet er: „Irgendetwas sagt mir, ich solle das tun.”

Eine andere Person sagt, sie glaube nicht an Gurus. Wenn der Guru aber erscheint, wird sie dennoch hingehen und sagen: „Ich habe ja gerade nichts zu tun, lass mich hingehen!” Irgendetwas zieht die Person und bewirkt, dass sie zum Flughafen oder zum Satsang kommt. Was ist das?

Du hast beschlossen, kein Vertrauen zu haben und hast dich sehr bemüht, dein Vertrauen zu zerstören oder abzustreiten, auch nur das geringste Vertrauen zu haben. Und doch hat es da etwas gegeben, was dir nicht erlaubt hat, loszulassen.

An dieser Stelle musst du anerkennen: „Ja, es ist noch Vertrauen vorhanden.”

Vertrauen kann also nicht erzwungen werden, es ist da. Ist es einmal aufgetaucht, so bleibt es auch bestehen. Wenn es verschwindet, fühlst du dich elend. Und du möchtest dich nicht elend fühlen.

Wenn du dich elend fühlst, sollte dir bewusst werden, dass du dich so fühlst, weil das Vertrauen abhandengekommen ist. Sobald du dich entscheidest, dich nicht mehr elend fühlen zu wollen, dann ist auch das Vertrauen wieder da.

Es war ohnehin immer da, aber nun tritt es wieder an die Oberfläche.

Der Versuch, dein Vertrauen aufrechtzuerhalten, ist eine äußerst schwierige Sache. Manchmal empfinden die Menschen, dass sie ihr Vertrauen nur wegen Gott oder dem Guru aufrechterhalten. Gottes wegen hältst du am Vertrauen fest. Erinnere dich daran, dass es Gott gleichgültig ist, ob du Vertrauen in ihn hast oder nicht. Er sagt: „Gut, du hast also kein Vertrauen, na und? Ich bin hier! Du kannst denken, ich sei nicht hier, du bist frei, das zu denken, was du willst.”

Manche Menschen sagen: „Ich glaube sehr an Gott!” Was spielt es für eine Rolle, wie sehr du an ihn glaubst?

Was immer geschehen muss, wird geschehen. Unser Vertrauen ist so oberflächlich. Es bezieht sich auf Bequemlichkeiten, auf kleine Dinge, die geschehen sollen. Es geht bei unserem Vertrauen mehrheitlich darum, unsere eigenen Ambitionen zu verwirklichen. Geschieht das, so sagen wir, wir hätten Vertrauen. Geschieht es nicht, so sagen wir, unser Vertrauen sei erschüttert, wir hätten kein Vertrauen.

Ich sage euch, das Leben besteht aus so viel mehr als nur aus Ambitionen. Und Vertrauen bedeutet sogar noch mehr als das Leben.

Das Vertrauen bleibt bestehen und gelangt dann an die Oberfläche, wenn Reinheit und Harmonie (Sattva) sich in dir ereignen.

Alles, was du tun kannst, ist, die Harmonie aufrechtzuerhalten, und die Klarheit deines Geistes durch passende Übungen, Nahrungsmittel und Wissen zu fördern.

Das alles wird dir helfen, in Richtung Vertrauen zu wachsen.

F.: Gurudev, meine frühere Unwissenheit hat oft Ängste bei mir bewirkt, aber jetzt bringt mir das Wissen manchmal noch mehr Verwirrung. Was soll ich tun?

Sri Sri Ravi Shankar:
Das ist gut! Das Ziel des Wissens ist, dich immer und immer wieder zu verwirren. Es ist nicht dazu da, Klarheit zu bringen. Und bei jeder Ebene der Verwirrung springst du eine Stufe höher hinauf. Mache dir also nichts daraus. Wenn keine Verwirrung besteht, ist das wie eine Rampe, von wo aus man nicht springen kann. Manchmal ist es aber so, als wären da Stufen. Du musst eine Stufe verlassen und eine Stufe höher gehen. Genau dann geschieht Verwirrung.

Frage mich nun nicht, ob es fehlendes Wachstum, fehlender Fortschritt oder Unwirksamkeit des Wissens bei dir bedeutet, wenn keine Verwirrung besteht. Nichts davon ist wahr! Du befindest dich gerade auf einer Rampe. Und das ist gut so.

F.: Was ist wirkliches Seva (ehrenamtliche Tätigkeit)? Wie kann jede meiner Handlungen zu Seva werden?

Sri Sri Ravi Shankar:
Seva bedeutet so zu handeln wie er. Er ist der Schöpfer. Er tut alles für dich und erwartet nichts von dir. Seva bedeutet also, zu tun, was immer du kannst, und nichts als Gegenleistung zu erwarten.

Du wirst mit Sicherheit etwas dafür erhalten. Du wirst etwas zurückbekommen, aber wenn du etwas Bestimmtes erwartest, ist es kein Seva mehr. Wenn du etwas tust, ohne etwas zu erwarten oder zu wollen, dann wird das Seva genannt.

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