Wie erkenne ich, ob ich meinen Job kündigen sollte?

Verwitterter Wegweiser an einer stillen Kreuzung, ein Pfeil fängt das erste Sonnenlicht ein
Kurzantwort: Für Gurudev Sri Sri Ravi Shankar ist die Frage nicht, ob ein Job „zufriedenstellt", sondern ob deine Verpflichtung noch zu deiner Vision passt. Wurde eine Verpflichtung kurzsichtig eingegangen und engt sie dich jetzt ein, darfst du sie aufgeben – besonders wenn dadurch etwas Größeres möglich wird.

Was Gurudev dazu sagt

Kennst du das: Du fragst dich morgens, ob der Job noch der richtige ist – aber „Zufriedenheit" fühlt sich wie das falsche Maß an? Gurudev widerspricht dem Konzept selbst.

So etwas wie Berufszufriedenheit gibt es nicht. Dieses Wort sollte aus dem Wörterbuch gestrichen werden. Zufriedenheit kommt nur durch Dienst.

Englisches Original

There is nothing called Job-Satisfaction. This word should be removed from the dictionary. Satisfaction comes only through service.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚The Right Thing Will Come At The Right Time'"

Wenn die Frage also nicht „Bin ich zufrieden?" lautet, wonach fragst du dann? Gurudev gibt eine klare Richtschnur, wann eine Verpflichtung aufgegeben werden darf.

Manchmal fühlst du dich eingeengt, wenn du dich ohne eine Vision verpflichtet hast und sich deine Vision dann erweitert. Solche Verpflichtungen, die aus Kurzsichtigkeit eingegangen wurden, kann man aufgeben. Eine kleinere, weniger wichtige Verpflichtung kann zugunsten einer größeren aufgegeben werden. Die Verpflichtung gegenüber den Mitteln kann zugunsten der Verpflichtung gegenüber den Zielen aufgegeben werden. Wenn deine Verpflichtung auf lange Sicht vielen Menschen Leid bringt, kann sie aufgegeben werden.

Englisches Original

Sometimes when you are committed without a vision, you feel stifled when your vision expands. Such commitments made with shortsightedness can be given up. A smaller less important commitment can be given up for a greater commitment. Commitment to the means can be given up for the sake of the commitment to the goals. When your commitment brings misery to many in the long run it can be given up.

„Aus dem Wissensarchiv von Gurudev Sri Sri Ravi Shankar — ‚That which is convenient, you do not call commitment' (2016-07-18)"

Damit gibt Gurudev vier klare Prüfsteine an die Hand: War die Verpflichtung kurzsichtig eingegangen? Steht sie einer größeren Verpflichtung im Weg? Dient sie nur einem Mittel, nicht mehr dem eigentlichen Ziel? Und bringt sie auf Dauer vielen Menschen Leid? Wenn eine dieser Fragen mit Ja beantwortet wird, darf die Verpflichtung – und damit auch ein Job – losgelassen werden.

Was du konkret tun kannst

  1. Frag nicht nach Zufriedenheit, sondern nach Dienst. Für Gurudev entsteht echte Zufriedenheit nicht durch einen perfekten Job, sondern dadurch, wie du dich einbringst. Prüfe, ob du in deiner jetzigen Rolle noch dienen kannst.
  2. Prüfe, ob die Verpflichtung kurzsichtig eingegangen wurde. Manche Entscheidungen triffst du, bevor du deine eigene Vision klar siehst. Wächst diese Vision später, darf eine solche Verpflichtung laut Gurudev aufgegeben werden.
  3. Wäge die kleinere gegen die größere Verpflichtung ab. Steht dein jetziger Job einem größeren Ziel im Weg, erlaubt Gurudev, die kleinere Verpflichtung zugunsten der größeren loszulassen.
  4. Schau, ob der Job nur noch Mittel zum Zweck ist. Wenn du am Mittel festhältst, aber das eigentliche Ziel längst woanders liegt, darfst du dich laut Gurudev vom Mittel lösen.
  5. Frag, wem die Verpflichtung auf Dauer schadet. Bringt dein Festhalten am Job dir oder anderen über lange Sicht Leid, ist das für Gurudev ein Grund, die Verpflichtung zu beenden.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob ich in einer Beziehung bleiben oder gehen sollte? Gurudev antwortet auf die Frage, warum Liebe so schwer sei, mit einer Umkehrung: Eine Beziehung mag schwierig wirken, aber ein Leben ohne Liebe ist noch schwerer. Gleichzeitig gilt für ihn auch hier: Wurde eine Verpflichtung kurzsichtig eingegangen und bringt sie auf Dauer Leid, darf sie zugunsten einer größeren Verpflichtung aufgegeben werden.

Wie lerne ich, mich von äußeren Umständen weniger aus der Ruhe bringen zu lassen? Gurudev vergleicht einen Geist, der ständig um kleines Lob, kleine Kritik oder Beleidigungen anderer kreist, mit jemandem, der Kaugummi kaut: Der Kiefer ist beschäftigt, es gibt aber keine Nahrung – am Ende bist du nur erschöpft, ohne dass es dir etwas gebracht hat. Genau das beschreibt er, wenn wir gedanklich immer wieder auf den kleinen Worten anderer herumkauen.

Ist Akzeptanz der Schlüssel zu mehr Resilienz? Gurudev lehrt, dass innere und emotionale Zustände von selbst kommen und wieder gehen. Erst die Unwilligkeit, sie loszulassen, macht daraus eine Fessel. Er nutzt das Bild einer Fliege, die aus dem Zimmer entkommen will, während wir die Tür festhalten: Wir selbst sind es, die den vorübergehenden Zustand binden.

Warum raubt mir emotionaler Stress mehr Energie als körperliche Arbeit? Gurudev beschreibt das Gefühl von Stress als einen brennenden, alles verzehrenden „Sturm". Das Paradoxe daran: Je mehr du versuchst, ihn mit Gewalt zum Abklingen zu zwingen, desto unruhiger und aufgewühlter wird er – anders als bei körperlicher Erschöpfung, die einfach nachlässt, sobald du aufhörst.

Verwandte Fragen

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • artofliving.org (offizielle Website) — „The Right Thing Will Come At The Right Time"
  • Wissensarchiv von Gurudev Sri Sri Ravi Shankar — „That which is convenient, you do not call commitment" (2016-07-18)