Was ist Karma-Yoga?

Hände pflegen sanft junge Setzlinge in einem sonnigen Gartenbeet.
Kurzantwort: Karma-Yoga bedeutet für Gurudev Sri Sri Ravi Shankar, aus deiner eigenen Natur heraus zu handeln, statt eine Gegenleistung zu erwarten. Du tust, was ansteht, lässt aber los, wie andere reagieren oder was am Ende herauskommt. Am weitesten geht dieser Weg im Dienst an anderen: Der Gedanke „ich bin hier, um zu dienen" lässt das Ich und seine Sorgen zurücktreten.

Was Gurudev dazu sagt

Kennst du das: Du hilfst jemandem, und insgeheim wartest du darauf, dass die Person sich revanchiert oder wenigstens dankbar ist – und bist enttäuscht, wenn nichts davon kommt. Genau an diesem Punkt setzt Gurudev an, wenn er Karma-Yoga beschreibt: Handeln, das nicht an eine Gegenleistung gekoppelt ist. Seine Anweisung ist unmissverständlich:

Tue Gutes für Menschen aus deiner Natur heraus, nicht aus Erwartung – vergiss, wie sie sich dir gegenüber verhalten oder reagieren. Das liegt in ihrer Verantwortung. Lass sie ihre eigene Last tragen. Halte deinen Geist frei.

Englisches Original

Do good to people from your nature, not from expectation—forget about how they behave or react to you. It's up to them. Let them carry their own burden. Keep your mind free.

„Aus einem Vortrag über die Ashtavakra Gita — ‚Honouring the Secret', 00:11:54"

Dieses Loslassen von Erwartung öffnet für Gurudev noch etwas Größeres: Sobald der Gedanke an Dienst zum eigentlichen Grund wird, warum du überhaupt hier bist, tritt das kleine Ich mit seinen Sorgen selbst in den Hintergrund.

Allein der Gedanke, 'Ich bin hier in dieser Welt, um Sevā zu tun', löst das 'Ich' auf, und wenn das 'Ich' sich auflöst, lösen sich auch die Sorgen auf. Sevā ist nicht etwas, das du aus Bequemlichkeit oder zum Vergnügen tust. Der letzte Sinn des Lebens ist es, zu dienen.

Englisches Original

The very thought, 'I am here in this world to do sevā', dissolves the 'I' and when the 'I' dissolves, worries dissolve. Sevā is not something you do out of convenience or for pleasure. The ultimate purpose of life is to be of service.

„Aus dem Buch ‚An Intimate Note to the Sincere Seeker' — Wissensblatt 179 ‚The Purpose of Life' (12. November 1998, Bangalore Āshram, India)"

Was heißt das dann für den Alltag – bist du nur noch im Tun gefragt, nie mehr in der Ruhe? Gurudev zeichnet dafür das Bild eines Menschen, der mit beidem gleichermaßen zu Hause ist.

Ich bin zu Hause, wenn ich handle, und ich bin genauso zu Hause, wenn ich ruhe. Ich bin genauso zu Hause, wenn ich gebeten werde, still und schweigend zu sitzen, und ich bin genauso zu Hause, wenn ich gebeten werde, etwas zu tun. Wenn die Zeit von mir Arbeit verlangt, bin ich bereit für die Aufgabe.

Englisches Original

I am at home when I am acting, and I am very much at home when I am at rest. I am very much at home when asked to sit quietly in silence, and I am very much at home when asked to do some work. If the time demands work from me, I am ready for the task.

„Aus einem Vortrag über die Ashtavakra Gita — ‚Acting Spontaneously', 00:41:35"

Karma-Yoga ist damit für Gurudev kein zusätzliches Programm neben deinem Alltag, sondern eine andere Art, denselben Alltag zu tun: aus deiner eigenen Natur heraus handeln, ohne an das Ergebnis oder die Reaktion der anderen zu hängen – und bereit sein für das, was gerade ansteht, ob das nun Tätigkeit oder Stille ist.

Was du konkret tun kannst

  1. Handle aus deiner eigenen Natur heraus, nicht aus Berechnung. Bevor du hilfst oder gibst, prüf: Tust du es, weil es zu dir passt – oder weil du etwas dafür zurückerwartest?
  2. Lass los, wie andere reagieren. Was jemand mit deiner Hilfe macht oder wie er darauf antwortet, liegt laut Gurudev in dessen eigener Verantwortung, nicht in deiner.
  3. Mach Dienst zu einem Teil deines Alltags, nicht zu einer Ausnahme. Schon der Gedanke, für andere da zu sein, kann nach Gurudev die eigenen Sorgen in den Hintergrund treten lassen.
  4. Übe, in Tätigkeit genauso zu Hause zu sein wie in Ruhe. Statt Handeln und Stillsein gegeneinander auszuspielen, betrachte beides als gleichwertige Zustände, zwischen denen du dich frei bewegen kannst.

Häufige Fragen

Wie lasse ich los, was mich belastet? Gefühle und Gedanken kommen für Gurudev von selbst und ziehen auch von selbst wieder weiter – erst unsere Weigerung, sie ziehen zu lassen, macht daraus eine Fessel. Wie eine Fliege, die aus dem Zimmer will, während wir die Tür festhalten, binden wir selbst das, was eigentlich in Bewegung sein will. Alles, wonach du dich sehnst, kommt für ihn ganz natürlich zu dir, sobald du die fest geschlossene Faust öffnest.

Wie kann ich gelassener werden? Gurudev besteht darauf, dass Frieden kein Zustand ist, den du erst erreichen musst – er ist deine angeborene Natur und kann dir nicht wirklich genommen werden. Jeder emotionale Sturm legt sich früher oder später wieder, wie Wind, der auf- und abschwillt. Die Ruhe, die danach zurückkehrt, beschreibt er als deine eigentliche Natur: Liebe.

Was unterscheidet echten Erfolg von äußerem Erfolg? Übertriebener Ehrgeiz und Berechnung sind für Gurudev fast das Gegenteil von Liebe: Wer stark ehrgeizig ist, kann kaum wirklich lieben oder geben, kaum frei von Angst oder friedvoll sein, weil er ständig mit sich selbst beschäftigt ist. Gewöhnliche Begeisterung ist für ihn fast immer an einen persönlichen Gewinn geknüpft – Anerkennung, Wertschätzung, Vergnügen – und deshalb, wie er es nennt, „mit Ego gewürzt".

Warum raubt mir emotionaler Stress mehr Energie als körperliche Arbeit? Gurudev vergleicht einen Geist, der sich an kleinem Lob, kleiner Kritik oder Beleidigungen festbeißt, mit jemandem, der Kaugummi kaut: Der Kiefer ist beschäftigt, es gibt aber keine Nahrung – am Ende bist du einfach nur erschöpft, ohne etwas gewonnen zu haben. Einen Stress-„Sturm" beschreibt er als ein förmlich brennendes, alles verzehrendes Gefühl – und je stärker du versuchst, ihn zu erzwingen, desto unruhiger wird er.

Verwandte Fragen

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • Ashtavakra Gita — „Honouring the Secret" (AG 17), 00:11:54–00:12:16
  • An Intimate Note to the Sincere Seeker — „The Purpose of Life" (Wissensblatt 179, 12. November 1998, Bangalore Āshram, India)
  • Ashtavakra Gita — „Acting Spontaneously" (AG 25), 00:41:35–00:41:57