Was bedeutet Karma?

Eine Reihe Dominosteine fällt nacheinander sanft im Morgenlicht um
Kurzantwort: Karma bedeutet für Gurudev Sri Sri Ravi Shankar der Eindruck, den eine Handlung hinterlässt. Vergangene Taten wirken als Eindrücke nach und ziehen ähnliche Situationen an, während jede gegenwärtige Handlung wieder einen neuen Eindruck im Geist erschafft. Jede feste Gewohnheit – selbst eine Vorliebe für Kaffee – ist im Grunde ein solches Karma-Muster.

Was Gurudev dazu sagt

Kennst du das: Du wachst morgens auf, es gibt keinen Kaffee im Haus – und plötzlich bekommst du Kopfschmerzen? Genau an so einem Alltagsbeispiel zeigt Gurudev, was Karma wirklich bedeutet.

Zuerst die einfache Definition: Karma ist der Eindruck, den eine Handlung hinterlässt.

Karma bedeutet also der Eindruck der Vergangenheit, der ähnliche Situationen in der Zukunft herbeiziehen wird, und das ist das zukünftige Karma. Und die gegenwärtige Handlung, die du gerade tust, erschafft einen Eindruck in deinem Geist, und auch das nennt man Karma.

Englisches Original

So Karma means the impression of the past, which will draw similar situations in the future and that is the future Karma. And present action what you are doing is creating an impression in your mind and that is again called Karma.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚Human Beings Have The Most Advanced Intellect' (Apr 30 2012)"

Wie konkret sich so ein Eindruck zeigt, macht Gurudev an einem ganz alltäglichen Beispiel deutlich – der Gewohnheit, jeden Morgen Kaffee zu trinken.

Sri Sri Ravi Shankar: Weißt du, wir tun viele Dinge, aber ihre Eindrücke bleiben nicht in unserem Geist. Wenn ich dich zum Beispiel eine Woche später frage: ‚Was hast du am Samstag zum Frühstück gegessen', wirst du dich nicht erinnern, es sei denn, es war ein besonderer Anlass oder du hattest Streit! Wenn dich jemand fragt: ‚Was hast du am 29. Dezember zu Mittag oder zu Abend gegessen', glaube ich nicht, dass du dich erinnerst. Wenn du es doch sagen kannst, bedeutet das, dass du dieses Karma hast! Bestimmte Tätigkeiten und Handlungen hinterlassen keinen Eindruck im Geist, in diesem Fall gibt es kein Karma. Wenn ich dich frage: ‚Welchen Film hast du am 23. September gesehen?', und du dich nicht erinnerst, bedeutet das, dass dieser Film kein Karma in dir erzeugt hat. Jeder Eindruck, der zwingend ist, das ist Karma. Wenn du zum Beispiel die Gewohnheit hast, jeden Tag Kaffee zu trinken, und eines Morgens aufwachst und kein Kaffee da ist, oder du beschließt, keinen Kaffee zu trinken, was passiert dann? Ich habe gehört, dass Menschen dann Kopfschmerzen bekommen. Das ist Kaffee-Karma! Es entsteht, wenn du etwas nicht tust und es eine Reaktion darauf gibt. Aber du kannst dieses Karma überwinden. Wenn du Kopfschmerzen hast, dann trink statt wieder Kaffee lieber ein Aspirin oder viel Wasser und ertrage den kleinen Schmerz, und schon nach zwei, drei Tagen wirst du keine Kopfschmerzen mehr haben. So überwindest du das Kaffee-Karma. Genauso ist es bei Menschen, die rauchen: Ihr Drang zu rauchen ist Rauch-Karma, aber sie können Nein dazu sagen. Jede Gewohnheit ist nichts anderes als ein Karma-Muster. Wenn du Nein dazu sagst, dann bist du schon dabei, es zu überwinden.

Englisches Original

Sri Sri Ravi Shankar: See, we do many actions but their impressions do not stay on our minds. For example, if I ask you a week later, 'What did you have for breakfast on Saturday', you will not remember, unless it was an occasion or you had a fight! If someone asks you, 'What did you have for lunch or dinner on December 29th', I don’t think you will remember. If you are able to tell them, then it means you have that karma! Certain activities and actions do not imprint an impression on the mind, in this case there is no karma . If I ask you, 'Which movie did you watch on September 23?' And you do not remember, it means that the movie has not caused a karma on you. Any impression which is compelling is what karma is . For example, you have a habit of drinking coffee every day, and one morning you wake up and there is no coffee available, or you decide not to drink coffee, what happens? I have heard people say that they get a headache. This is coffee karma! It is when you don’t do something and there is a reaction to it. But, you can get over that karma. If you have a headache, instead of having coffee again, take an aspirin or drink lots of water and bear that little pain, and then in 2-3 days you will no longer have headaches. This is how you get over coffee karma. Similarly, people who smoke, their compulsion to smoke is smoking karma, but they can say no to it. Every habit is nothing but a karma pattern . If you say no to it, then you are already getting over it.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚Take The Best And Leave The Rest' (Feb 14 2015)"

Doch Gurudev geht noch weiter: Karma ist für ihn letztlich auch eine Frage der Trennung – und diese Trennung lässt sich auflösen.

Sri Sri Ravi Shankar: Allein durch das Wissen, dass sie sich mit dem Ozean vereint hat, erlangt die Welle Mukti (Freiheit). Die Bindung des Karmas dauert nur so lange, wie die Welle sich als getrennt vom Ozean empfindet. Sobald die Welle erkennt, dass sie nicht getrennt vom Ozean ist, sondern ein untrennbarer Teil davon, dann ist es vollbracht.

Englisches Original

Sri Sri Ravi Shankar: Just having the knowledge that it has merged with the ocean, the wave achieves mukti (freedom). The bondage of karma lasts only as long as the wave finds itself separate from the ocean. Once the wave realizes that it is not separate from the ocean but an inseparable part of it then done.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚The bondage of karma lasts only as long as the wave finds itself separate from the ocean' (Sep 1 2011)"

Das Bild von der Welle und dem Ozean zeigt, worauf es für Gurudev am Ende ankommt: Solange du dich als getrennt erlebst – von anderen, vom Ganzen –, bleibt die Bindung des Karmas bestehen. Erkennst du diese Trennung als Illusion, verliert sie ihre Kraft.

Was du konkret tun kannst

  1. Beobachte deine eigenen Gewohnheiten wie das Kaffee-Beispiel. Schau, welche kleine Reaktion entsteht, wenn du eine Gewohnheit unterbrichst – genau da zeigt sich ein Karma-Muster.
  2. Frag dich bei einer starken Reaktion: Ist das wirklich nötig? Nicht jeder Impuls muss sofort befolgt werden, nur weil er stark ist.
  3. Sag bewusst Nein zu einer zwingenden Gewohnheit. Schon das bewusste Nein ist für Gurudev der erste Schritt, ein Karma-Muster zu überwinden.
  4. Übe, dich weniger getrennt zu fühlen. Je mehr du dich als Teil eines größeren Ganzen erlebst, desto weniger Gewicht bekommt für dich die Bindung des Karmas.

Häufige Fragen

Was ist Karma einfach erklärt? Gurudev erklärt Karma anhand von Verletzung: Was dir gerade widerfährt, ist oft die Natur, die dir etwas zurückbringt, das du in der Vergangenheit verursacht hast – dieses Wissen bringt Gelassenheit statt Opfergefühl. Grundsätzlich ist Karma für ihn schlicht Handlung: Vergangene, gegenwärtige und zukünftige Taten hinterlassen Eindrücke, die formen, was sich jetzt gerade als Ergebnis zeigt.

Was ist Karma? Gurudev führt die Frage nach dem Karma bis zur Wurzel zurück: Angenehme wie unangenehme Ereignisse entstehen einfach gemäß deinem eigenen Karma und ziehen durch dich hindurch – es gibt buchstäblich nichts, worüber du dir wirklich Sorgen machen musst. An anderer Stelle beschreibt er Karma schlicht als Handlung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinterlassen und formen Eindrücke, die das jetzige Ergebnis mitbestimmen.

Warum passieren manchen Menschen scheinbar unverdiente schlechte Dinge? Gurudev sagt: Angenehme wie unangenehme Ereignisse entstehen gemäß deinem eigenen Karma und ziehen einfach durch dich hindurch. Am Beispiel von Verletzung erklärt er weiter: Was dir widerfährt, ist oft die Natur, die dir etwas aus der Vergangenheit zurückbringt. Dieses Verständnis führt zu einem Gefühl von Gelassenheit, statt sich als Opfer zu erleben.

Ist Karma eine Strafe oder ein Naturgesetz? Gurudev vergleicht Karma mit einem Naturgesetz: Verstößt du gegen Verkehrsregeln oder hältst die Hand ins Feuer, folgen die Konsequenzen sofort – genauso wirkt Karma. In einem anderen Bild vergleicht er es mit Geld, das man auf die Bank einzahlt und mit Zinsen zurückerwartet: ein natürlicher Vorgang, keine Strafe. Nimmst du einen Fehler an und gehst weiter, nimmt die Intensität dieses Karmas ab.

Verwandte Fragen

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • artofliving.org (offizielle Website) — „Human Beings Have The Most Advanced Intellect" (Apr 30 2012)
  • artofliving.org (offizielle Website) — „Take The Best And Leave The Rest" (Feb 14 2015)
  • artofliving.org (offizielle Website) — „The bondage of karma lasts only as long as the wave finds itself separate from the ocean" (Sep 1 2011)