Was ist Karma einfach erklärt?

Ein Bumerang liegt im Gras, eine Staubspur zeigt seine Kreisbahn
Kurzantwort: Karma bedeutet für Gurudev Sri Sri Ravi Shankar einfach: jede Handlung, jede Gewohnheit und jedes Gefühl hinterlässt einen Eindruck, der später zurückkommt. Manche Wirkungen zeigen sich sofort, wie eine Verbrennung am Feuer, andere brauchen Zeit, wie eine Frucht am Baum. Und was du für eine äußere Ursache hältst, hat oft eine tiefere Wurzel.

Was Gurudev dazu sagt

Kennst du das: Du wachst auf, es gibt keinen Kaffee – und schon bekommst du Kopfschmerzen? Genau an so einem Alltagsbeispiel macht Gurudev klar, was Karma eigentlich ist.

Sri Sri Ravi Shankar: Weißt du, wir tun viele Dinge, aber ihre Eindrücke bleiben nicht in unserem Geist. Wenn ich dich zum Beispiel eine Woche später frage: ‚Was hast du am Samstag zum Frühstück gegessen', wirst du dich nicht erinnern, es sei denn, es war ein besonderer Anlass oder du hattest Streit! Wenn dich jemand fragt: ‚Was hast du am 29. Dezember zu Mittag oder zu Abend gegessen', glaube ich nicht, dass du dich erinnerst. Wenn du es doch sagen kannst, bedeutet das, dass du dieses Karma hast! Bestimmte Tätigkeiten und Handlungen hinterlassen keinen Eindruck im Geist, in diesem Fall gibt es kein Karma. Wenn ich dich frage: ‚Welchen Film hast du am 23. September gesehen?', und du dich nicht erinnerst, bedeutet das, dass dieser Film kein Karma in dir erzeugt hat. Jeder Eindruck, der zwingend ist, das ist Karma. Wenn du zum Beispiel die Gewohnheit hast, jeden Tag Kaffee zu trinken, und eines Morgens aufwachst und kein Kaffee da ist, oder du beschließt, keinen Kaffee zu trinken, was passiert dann? Ich habe gehört, dass Menschen dann Kopfschmerzen bekommen. Das ist Kaffee-Karma! Es entsteht, wenn du etwas nicht tust und es eine Reaktion darauf gibt. Aber du kannst dieses Karma überwinden. Wenn du Kopfschmerzen hast, dann trink statt wieder Kaffee lieber ein Aspirin oder viel Wasser und ertrage den kleinen Schmerz, und schon nach zwei, drei Tagen wirst du keine Kopfschmerzen mehr haben. So überwindest du das Kaffee-Karma. Genauso ist es bei Menschen, die rauchen: Ihr Drang zu rauchen ist Rauch-Karma, aber sie können Nein dazu sagen. Jede Gewohnheit ist nichts anderes als ein Karma-Muster. Wenn du Nein dazu sagst, dann bist du schon dabei, es zu überwinden.

Englisches Original

Sri Sri Ravi Shankar: See, we do many actions but their impressions do not stay on our minds. For example, if I ask you a week later, 'What did you have for breakfast on Saturday', you will not remember, unless it was an occasion or you had a fight! If someone asks you, 'What did you have for lunch or dinner on December 29th', I don’t think you will remember. If you are able to tell them, then it means you have that karma! Certain activities and actions do not imprint an impression on the mind, in this case there is no karma . If I ask you, 'Which movie did you watch on September 23?' And you do not remember, it means that the movie has not caused a karma on you. Any impression which is compelling is what karma is . For example, you have a habit of drinking coffee every day, and one morning you wake up and there is no coffee available, or you decide not to drink coffee, what happens? I have heard people say that they get a headache. This is coffee karma! It is when you don’t do something and there is a reaction to it. But, you can get over that karma. If you have a headache, instead of having coffee again, take an aspirin or drink lots of water and bear that little pain, and then in 2-3 days you will no longer have headaches. This is how you get over coffee karma. Similarly, people who smoke, their compulsion to smoke is smoking karma, but they can say no to it. Every habit is nothing but a karma pattern . If you say no to it, then you are already getting over it.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚Take The Best And Leave The Rest' (Feb 14 2015)"

Dass Karma nicht immer die naheliegendste, sichtbare Ursache hat, zeigt Gurudev an einem anderen Beispiel: dem Verlust einer Position im Beruf.

Wenn dich jemand aus deiner Stellung verdrängt hat, glaubst du, die Ursache sei dein Chef. „Mein Chef hat mich aus meiner Stellung verdrängt." Lieber Freund, das stimmt nicht. Die Ursache ist nicht der Chef. Jenseits dieser sichtbaren Ursache – was liegt dahinter? Es gibt eine unsichtbare, tiefere Ursache – die uranfängliche Ursache aller Ereignisse.

Englisches Original

If someone has removed you from your position, you assume the cause is your boss. “My boss removed me from my position.” My dear, that is not the case. The cause is not the boss. Beyond that cause, what is there? There is an unseen, deeper cause—the primal cause of all events.

„Aus einem Vortrag über die Yoga Sutras des Patanjali — ‚Vibhūti Pāda 3', 00:09:18"

Und nicht jedes Karma wirkt gleich schnell. Manches zeigt sich augenblicklich, anderes erst nach einer Weile.

Genauso tragen manche Karmas sofort Früchte – wenn du deine Hand ins Feuer hältst, verbrennst du dich sofort, nicht erst morgen. Aber wenn du einen Granatapfelbaum im Feld pflanzt, dauert es eine Weile, bis er Früchte trägt. Manche Karmas tragen also sofort Früchte, während andere Karmas erst nach einiger Zeit Frucht bringen.

Englisches Original

In the same way, some karma bear fruit immediately - if you place your hand in fire, it will get burnt immediately, not tomorrow. But if you plant a pomegranate tree in the field, it will take time to yield fruit. So some karma bear fruit instantly, whereas some karma yields after some time.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚Longing itself is God' (Jan 11 2012)"

Zusammengenommen zeigt sich: Karma ist für Gurudev weder mystisch noch kompliziert. Es ist der einfache Zusammenhang zwischen dem, was du tust oder fühlst, und dem, was daraus – manchmal sofort, manchmal später – erwächst.

Was du konkret tun kannst

  1. Beobachte kleine Gewohnheiten wie das Kaffee-Beispiel. Schau, welche Reaktion entsteht, wenn eine gewohnte Handlung ausbleibt – das macht ein Karma-Muster sichtbar.
  2. Frag bei einem Rückschlag nach der tieferen Ursache. Bleib nicht bei der naheliegenden Erklärung stehen, sondern schau genauer hin, was wirklich dahintersteckt.
  3. Erwarte nicht, dass jede Wirkung sofort sichtbar wird. Manches Karma zeigt sich augenblicklich, anderes erst nach einer Weile – gib dem Zeit.
  4. Sag bewusst Nein zu einer zwingenden Gewohnheit. Jede Gewohnheit ist für Gurudev ein Karma-Muster – schon das Nein dazu ist der erste Schritt, es zu überwinden.

Häufige Fragen

Wie gehe ich mit Kritik von Vorgesetzten um, ohne es persönlich zu nehmen? Gurudev vergleicht einen Geist, der sich an kleinem Lob, Tadel oder Kränkungen anderer festbeißt, mit Kaugummikauen: Es hält den Kiefer beschäftigt, liefert aber keine Nahrung und ermüdet dich am Ende nur, ohne dass etwas dabei herauskommt. Einen schwierigen Chef und wenig verständnisvolle Kollegen sieht er zugleich als wertvoll an, weil sie dich zwingen, deine Kommunikation zu schärfen und dein eigentliches Talent hervorzubringen.

Was ist Karma? Gurudev führt die Frage nach Sorgen auf ihre Wurzel zurück: Angenehme wie unangenehme Ereignisse entstehen einfach gemäß deinem eigenen Karma und ziehen durch dich hindurch – es gibt buchstäblich nichts, worüber du dir wirklich Sorgen machen musst. Grundlegend erklärt er Karma als Handlung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinterlassen und formen Eindrücke, die das jetzige Ergebnis mitbestimmen.

Warum passieren manchen Menschen scheinbar unverdiente schlechte Dinge? Gurudev sagt, dass angenehme wie unangenehme Ereignisse gemäß deinem eigenen Karma entstehen und durch dich hindurchziehen. Am Beispiel von Verletzung führt er weiter aus: Was dir widerfährt, ist oft die Natur, die dir etwas aus der Vergangenheit zurückbringt. Dieses Verständnis bringt eine tiefe Gelassenheit, statt sich als Opfer zu erleben.

Was bedeutet Karma? Gurudev erklärt, dass Karma schlicht Handlung bedeutet: Vergangene Handlungen sind Eindrücke, zukünftige Handlungen sind ebenfalls Eindrücke, und die gegenwärtige Handlung ist das Karma, das dir jetzt ein Ergebnis liefert. An anderer Stelle beschreibt er es als den Eindruck der Vergangenheit, der ähnliche Situationen in der Zukunft herbeizieht, während die gegenwärtige Handlung wieder einen neuen Eindruck im Geist erschafft.

Verwandte Fragen

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • artofliving.org (offizielle Website) — „Take The Best And Leave The Rest" (Feb 14 2015)
  • Yoga Sutras des Patanjali — „Vibhūti Pāda 3", 00:09:18–00:09:44
  • artofliving.org (offizielle Website) — „Longing itself is God" (Jan 11 2012)