Was ist Meditation wirklich?

Eine Schale mit ruhigem Wasser balanciert auf einer Hand im Wind
Kurzantwort: Meditation ist für Gurudev Sri Sri Ravi Shankar keine Technik, sondern ein Geschehen: eine tiefe Entspannung, die du wahrscheinlich schon oft erlebt hast, ohne es zu bemerken. Sie braucht keine Anstrengung. Es geht darum, den Geist für eine kurze Weile bewusst nach innen zu wenden und einfach geschehen zu lassen, statt etwas zu erzwingen.

Was Gurudev dazu sagt

Kennst du das: Für ein paar Sekunden fühlst du dich einfach gut. Nicht aufgeregt, nicht angestrengt – nur still und zufrieden, mitten im ganz normalen Tag. Gurudev sagt: Genau das war schon Meditation, auch wenn du es damals nicht so genannt hast.

Meditation ist nicht Konzentration. Meditation ist eine tiefe Entspannung, und sie geschieht uns oft, ohne dass wir es merken. Kleine Meditationen sind uns allen hier und da, hin und wieder, widerfahren, wenn wir ein wenig Glück empfunden haben. Jedes Mal, wenn du ein tiefes Gefühl von Glück, Erfüllung oder Zufriedenheit gespürt hast, wisse, dass du irgendwo diese Ebene der Meditation berührt hast.

Englisches Original

Sri Sri Ravi Shankar: Meditation is not concentration. Meditation is a deep relaxation, and it is happening to us many times but we don't realize it. Little meditations have happened to all of us here and there, now and then when we felt some happiness. Every time you felt a deep sense of happiness, fulfillment or satisfaction, know that you have somewhere touched that level of meditation.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚Question & Answers with Sri Sri Ravi Shankar'"

Wenn Meditation also längst zu deinem Leben gehört, was macht sie dann zu einer bewussten Übung? Für Gurudev beginnt sie damit, den Geist ganz bewusst für eine kurze Weile nach innen zu wenden – weg vom Chaos und den Konflikten, die ihn sonst beschäftigen.

Wende deinen Geist für eine kurze Weile nach innen. Du musst aus dem Chaos und den Konflikten heraustreten, die deinen Geist verstopfen. Dieser Vorgang wird Meditation genannt. Fühle nur für eine kurze Weile, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein Traum sind. Wenn du weißt, dass sich alles verändert, wirst du einen Blick auf etwas erhaschen können, das sich nicht verändert.

Englisches Original

Turn your mind inwards for a short while. You have to come out of the chaos and conflicts that are clogging your mind. This process is called meditation. Just for a short while, feel that the past, present and future is a dream. When you know that everything is changing, you will be able to get a glimpse of something that is not changing.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚To experience the Divine you have to withdraw your mind' (Dec 18 2011)"

Am weitesten geht Gurudev, wenn er Meditation nicht als Technik, sondern als Eintauchen in deine eigene, liebevolle Natur beschreibt – und dabei erklärt, warum eine Übung, die sich wiederholt, dich nicht langweilen muss, sondern dir sogar nahebringen kann, was Liebe eigentlich ist.

Und Meditation ist Eintauchen in deine eigene Natur, die bedingungslose Liebe ist. Wie könnte Meditation langweilig sein? Ist Liebe langweilig? Wenn Liebe langweilig ist, dann musst du „Langeweile“ neu definieren. Du musst Langeweile selbst neu definieren. Langeweile ist Mangel an Saft – und Liebe ist der Saft des Lebens. Doch Langeweile und Liebe haben eines gemeinsam: Wiederholung. Wenn du jemanden liebst, wiederholst du dessen Namen – immer wieder, sagst „Ich liebe dich, ich liebe dich“, immer und immer wieder.

Englisches Original

And meditation is immersion in your own nature, which is unconditional Love. How can meditation be boring? Is love boring? If love is boring, then you must redefine "boredom." You must redefine boredom itself. Boredom is lack of juice—and love is the juice of life. Yet boredom and love share one thing: repetition. When you love someone, you repeat their name— again and again, saying, "I love you, I love you," over and over.

„Aus einem Vortrag über die Narada Bhakti Sutras — ‚Love Cannot Be Expressed', 00:29:29"

Drei Blickwinkel, ein Kern: Meditation ist für Gurudev kein fernes Ziel, sondern etwas, das dir schon vertraut ist. Du musst es nicht herstellen – nur den Geist eine Weile nach innen wenden und zulassen, dass sich zeigt, was ohnehin schon da ist.

Was du konkret tun kannst

  1. Nimm dir ein paar Minuten, in denen du nach innen gehst. Du musst dafür nichts Besonderes erreichen – es reicht, für kurze Zeit aus dem gedanklichen Chaos des Tages auszusteigen, statt ihn ständig weiterlaufen zu lassen.
  2. Erwarte keine Leistung, sondern lass es geschehen. Meditation ist für Gurudev kein Tun, sondern ein Geschehen. Je mehr du dich anstrengst, etwas zu erreichen, desto mehr steht dir das im Weg – Mühelosigkeit ist der eigentliche Schlüssel.
  3. Beobachte deine Gedanken, statt dich an sie zu binden. Gute wie schwierige Gedanken kommen und gehen von selbst. Du musst ihnen nicht hinterherlaufen und sie auch nicht wegdrücken – einfach zuschauen reicht.
  4. Gib der Übung einen festen, kurzen Platz im Alltag. Ein paar Minuten vor oder nach der Arbeit reichen, um regelmäßig zur Ruhe zu kommen, statt auf den „perfekten" freien Moment zu warten, der selten kommt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Meditation im eigentlichen Sinn? Für Gurudev ist Meditation nicht dasselbe wie Konzentration, sondern eine tiefe Entspannung, die dir schon öfter begegnet ist – in unbemerkten Momenten von echtem Glück oder Erfüllung. Er beschreibt sie außerdem als ein Wiederfrischwerden, eine Rückkehr zu der Gelassenheit, die ohnehin deine ursprüngliche Natur ist, nicht als etwas völlig Neues, das du erst erschaffen musst.

Wie werde ich meinen Stress los? Gurudev sieht Stressfreiheit nicht als Zustand, den du dir erst erarbeiten musst, sondern als deine eigentliche Natur, die durch Entspannung und das Loslassen falscher Selbstbilder wieder sichtbar wird. Stress entsteht für ihn, wenn zu viel zu tun mit zu wenig Zeit und Energie zusammentrifft – und da sich Aufgaben und Zeit oft kaum ändern lassen, liegt die eigentliche Lösung darin, das eigene Energieniveau zu heben.

Was mache ich, wenn meine Gedanken beim Meditieren ständig abschweifen? Gurudev warnt davor, einen Gedanken gewaltsam wegdrücken zu wollen – das macht ihn oft nur stärker, ähnlich wie bei der Geschichte eines Bauern, der ausgerechnet an das denken muss, was er sich verboten hat. Er benennt auch, was den Geist beim Meditieren typischerweise blockiert: Dinge, die schon geschehen sind und noch nachhängen, und Dinge, die noch erledigt werden müssen.

Wie fange ich als Anfänger mit Meditation an? Als Grundregel nennt Gurudev ein Maß an Nahrung, Aktivität und Ruhe, das weder zu viel noch zu wenig ist – dieses Gleichgewicht hilft dem Geist, überhaupt erst zur Ruhe zu kommen. Für den Einstieg empfiehlt er außerdem, zunächst mit geführten Meditationsaufnahmen zu üben, bis die Praxis zu etwas wird, das du zunehmend auch allein tun kannst.

Verwandte Fragen

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • artofliving.org (offizielle Website) — „Question & Answers with Sri Sri Ravi Shankar"
  • artofliving.org (offizielle Website) — „To experience the Divine you have to withdraw your mind" (Dec 18 2011)
  • Narada Bhakti Sutras — „Love Cannot Be Expressed" (BS 10), 00:29:29–00:30:29