Die Weite des gegenwärtigen Augenblicks

09.08.2013

Bangalore, India

Gurudev, du hast erwähnt, der gegenwärtige Augenblick sei ewig, er sei sowohl weit als auch tief. Kannst du bitte die Weite und Tiefe des gegenwärtigen Augenblicks erläutern? Kann man die Weite des gegenwärtigen Augenblicks daran erkennen, dass viele Dinge gleichzeitig geschehen?

Sri Sri:
Ja, genau darum geht es. Es ist wie beim Himmel, der grenzenlos ist. Der Ozean hat einen Grund, der Himmel jedoch kein oberes Ende. Er ist ohne Anfang und ohne Ende. Unser Bewusstsein ist genauso, und auch beim gegenwärtigen Augenblick verhält es sich so. Er ist so tief, dass es Befreiung bedeutet, im gegenwärtigen Augenblick still und gegründet zu sein. Vergiss die Vergangenheit und höre auf, dich um die Zukunft zu sorgen. Hast du einmal Vertrauen in die Zukunft gewonnen, dann wirst du dir keine Sorgen mehr darüber machen.

Weißt du, wann du dir Sorgen um die Zukunft machst?

Du machst dir Sorgen, wenn du – was die Zukunft betrifft – kein Vertrauen und keine Zuversicht hast. Wenn du darauf vertraust, dass deinem Auto draußen auf dem Parkplatz nichts geschieht, dann kannst du unbesorgt hier sitzen, nicht wahr? Wenn du aber glaubst, jemand würde dein Auto abschleppen, während du hier sitzt, wird dein Geist sich dauernd über dein draußen stehendes Auto sorgen. Vertrauen zu haben befreit dich von den Sorgen um die Zukunft. Zu vergeben und deine Vergangenheit zu vergessen, wird dich von der Vergangenheit befreien. Wann überwältigt uns unsere Vergangenheit? Wenn wir uns und anderen Menschen nicht verzeihen können, was in der Vergangenheit geschehen ist. Die Vergangenheit wird dann zu einer schweren Last für uns, und wir stecken darin fest. Nur wenn wir voll im gegenwärtigen Augenblick sind können wir tief nach innen gehen. Das ist Meditation. Gott und die Welt sind nicht zwei verschiedene Objekte, sie sind eins. In dreidimensionalen Bildern und Hologrammen ist das ersichtlich. Auf der einen Seite siehst du zum Beispiel Nehru, bewegst du das Bild etwas, dann siehst du auf der anderen Seite Mahatma Gandhi. Genauso sind Gott und die Welt: Wie ein dreidimensionales Hologramm.

Was ist mit Welt gemeint? Was du siehst, sind Kohlenhydrate, Proteine, Aminosäuren usw., nicht wahr? Letztlich besteht alles aus diesen Ingredienzien. Aber sie sind hohl und leer. Es ist der Geist, der unruhig ist und zu manchen Zeiten hoch und runter geht. In jedem Menschen leuchten verschiedene Farben. In manchen scheint die Lampe des Ärgers, in anderen die Lampe der Eifersucht usw. Genauso, wie die Lichter an Diwali oder Weihnachten immer wieder ihre Farben ändern, und genauso, wie die Lichter an der Spitze des Vishalakshi Mantaps am Abend ihre Farben ändern. Partikel sind die Grundbestandteile aller Dinge.

Ich wurde nach CERN in der Schweiz eingeladen, wo über Partikel geforscht wird. Vor Kurzem wurde das Gott-Partikel dort entdeckt. Ich traf den Wissenschaftler, der dort arbeitet. Es war alles sehr interessant. Sie alle hatten dieses Strahlen in den Gesichtern, das man hat, wenn man im gegenwärtigen Augenblick lebt. Einer von ihnen sagte: „Ich kam her, als ich noch Teilchenphysik studierte. Ich forschte während vierzig Jahren, nur um herauszufinden, dass das Partikel, das ich erforschen wollte, gar nicht existiert.” Dass es so aussieht, als würde Materie aus Partikeln bestehen, hat nur mit dem Beobachter zu tun. Wenn wir – als Beobachtende – nicht da wären, dann würden auch sie nicht existieren. Ich gab ihm das Buch über Yoga Vashishtha (eine heilige Schrift) und ein weiteres mit dem Namen „Schöpfung”, das von unseren Anhängern Dr. D.K. Hari und Hema Hari verfasst wurde. Als ich fragte, warum das Partikel Gottpartikel genannt worden war, und wie sie es gefunden hätten, erzählten sie mir etwas sehr Schönes: „Gurudev, zuerst wollten wir dieses Partikel „Gott aller Partikel” nennen, weil es das grundlegende Partikel ist, woraus alles andere besteht. Die Medien waren jedoch der Meinung, ein solcher Titel wäre unangemessen, und wir sollten den Namen in „Gott-Partikel” umändern. Auf diese Weise kamen wir dazu!”

Was diese Wissenschaftler sagten, hat eine große Ähnlichkeit mit dem, was in früheren Zeiten in den Veden beschrieben worden ist. Die Veden sagen, diese Welt existiere seit 19 Milliarden von Jahren. Die Wissenschaftler kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie sagen, die Schöpfung existiere seit 18, und der Mensch seit 12 Milliarden von Jahren. Auch unsere Vedic Panchangams (ein Werkzeug, um die Zeit und die Position der Sterne und Planeten in der vedischen Astrologie zu berechnen) kommen zum gleichen Ergebnis. Ich denke, dass Menschen aller Zeiten über irgendeine Art des Wissens über diese Dinge verfügten. Mit der Zeit verschwanden diese Wissenschaften und waren für die Welt verloren. In jenen Tagen wurden diese Wissenschaften alle an den indischen Universitäten gelehrt und diskutiert.

Wir hatten vedische Universitäten wie die Takshashila University (im heutigen Pakistan). Tatsächlich entstand die Wissenschaft des Ayurveda im heutigen Pakistan. Im Mittelalter wurde sehr viel über Kräuter und medizinische Pflanzen geforscht. Es gab ein Waldgebiet, das Naimisharanya genannt und im heutigen Madhya Pradesh entdeckt wurde. Ayurveda wurde in der Takshashila University als Wissenschaft anerkannt und gelehrt. Viele große Ayurvedaärzte, Praktiker und Architekten kamen von dieser Universität. Die alten und die neuen Ansätze sind sich also sehr ähnlich. Wir müssen beiden Raum in unserem Leben geben. Unser Leben ist wie ein Baum. Die Wurzeln sind alt und die Blätter sind neu. Wir sollten also beides berücksichtigen, sowohl das alte Wissen als auch die neuen Wissenschaften.

Unser Herz verlangt nach dem Alten, Vertrauten, während der Geist immer etwas Neues sucht. Der Geist wünscht sich neue Dinge, die neuesten Trends. Bei unseren Freunden sprechen wir immer von einer sehr alten Freundschaft. Menschen, die sich verlieben, sagen sogar, sie würden eine Liebe aus einem anderen Leben weiterführen, und zwar nicht nur die Liebe aus einem früheren Leben, sondern eine Liebe aus mehreren Leben. Das Herz ist stolz auf alles, was alt ist, und der Geist interessiert sich für alles, was neu ist. Beide sind im Leben notwendig.

Gurudev, bitte erkläre uns genauer, was es mit Paralleluniversen auf sich hat. Ist es wahr, dass es in anderen Universen identisch ist wie bei uns? Beeinträchtigen unsere Handlungen in diesem Universum die Lebewesen in anderen Universen? Wie können wir Zugang zu anderen Universen bekommen?

Sri Sri:
Du hast genügend Zugang zu diesem Universum. Es gibt hier genügend zu tun. Deshalb sollten wir uns jetzt um dieses Universum kümmern und etwas Gutes dafür tun. Wir sollten nicht die ganze Zeit nur an uns selbst denken. In dieser Welt brennt es, und du bist hier gefragt, um das Feuer zu löschen. Weißt du wie viel Gewalt es in der heutigen Welt gibt? Es ist schlicht unglaublich. Lasst uns also alle etwas Gutes für diese Welt tun. Du wirst die anderen Welten bestimmt nicht vermissen. Wenn du tief in Meditation eintauchst, bekommst du Zugang zu verschiedenen Dimensionen. Ansonsten ist es notwendig, dass du dir Verdienste erwirbst, und das geschieht, wenn du Seva machst. Mache Seva (Dienst) und Saddhana (Übungen), nimm am Satsang teil und sorge dich um nichts weiter. Ich weiß es auch nicht. Es gibt viele Universen.

Gurudev, welches ist der richtige Weg, in Rente zu gehen, und was soll man danach tun?

Sri Sri:
Schau, du kannst es entscheiden und hast meinen Segen. Es gibt auf diesem Planeten so viel zu tun. Hilf mit bei Volunteer for a better India (Helfer für ein besseres Indien). Geh an verschiedene Orte, leiste gute Arbeit und hilf mit, das Bewusstsein der Menschen zu wecken. Es gibt so viel Arbeit, die in unseren Dörfern getan werden muss. Fördere das Bewusstsein für Gesundheit, Hygiene und menschliche Werte. Du kannst ein Art of Living Kursleiter werden und überall Menschen unterrichten.

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