Was uns die Stille bringt

04.10.2013

Bangalore, Indien

Tiefe Stille und freudvolle Feier: Das ist Navaratri! Es ist eine Zeit, die dazu dient, die weltlichen Dinge für eine kurze Zeit hinter sich zu lassen und in die andere Welt einzutauchen.

Gurudev, die Dasha Mahavidyas (die zehn kosmischen Persönlichkeiten der heiligen Mutter) werden während Navaratri angebetet. Was genau sind sie, und welche Bedeutung haben sie in unserem täglichen Leben?

Sri Sri:
Ja, es gibt zehn Mahavidyas. Ich weiß auch nicht alles über sie.

Jedes Wissen, das wir uns über den Intellekt aneignen und über den Intellekt verstehen, ist begrenzt. Das, was uns durch Meditation, Intuition und Stille – durch Mühelosigkeit – zukommt, ist Mahavidya (höheres Wissen).

Wissen, das wir uns durch Anstrengung aneignen, wird Apara Vidya genannt.

Wenn Unwissenheit (Avidya) beseitigt ist, kommt dir Mahavidya zu. Oder anders formuliert: Du beseitigst die Unwissenheit durch Mahavidya. Beides ist richtig.

Gurudev, du hast erwähnt, dass wir uns bei Freunden und Feinden niemals sicher sein können, und dass wir uns auf uns selbst verlassen sollten. Bedeutet das, egoistisch zu sein?

Sri Sri:
Nein, das bedeutet nicht, egoistisch zu sein. Es bedeutet, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass es eine höhere Macht gibt, die dich in deinem Leben führt. Wenn die Zeiten gut sind, und dein Leben in der Hand dieser höheren Macht oder Göttlichkeit liegt, dann wird dein Leben dadurch bestimmt. Das ist es, was wir sehen müssen. Es ist diese Macht, die als Freund, als Feind oder als irgendjemand zu dir kommt. Wenn du dieses Eine erkennst, das in verschiedener Gestalt vor dir steht, dann bist du in Frieden mit dir selbst.

Gurudev, es heißt, Sadhana bringe die erwünschten Resultate. Wird das Praktizieren von Sadhana auch für eine dämonische Person ein Segen sein?

Sri Sri:
Ja, das ist in der Vergangenheit geschehen. Ravana hat sehr viel Buße getan. Es gibt außerdem sehr viele Dämone, die durch Buße Macht bekommen haben. Ihr Ego hat jedoch zu dem einen oder anderen Fehler geführt. Deshalb konnten sie nicht vollkommen erfolgreich sein.

Gurudev, manchmal habe ich das Gefühl, dem Ziel (Moksha, Befreiung) zu viel Aufmerksamkeit zu schenken und dadurch die Reise, d.h. das Leben, zu vergessen. Was soll ich tun?

Sri Sri:
Entspanne dich einfach! Das ist ein Teil des Lebens. Leben ist Liebe, Energie, Enthusiasmus und Freiheit. Und Freiheit ist Moksha. Moksha ist kein Ende, das sich an irgendeinem Ort befindet. Moksha begleitet dein ganzes Leben bei verschiedenen Phasen.

Moksha bedeutet Befreiung, und Befreiung von der Arbeit ist ebenso entscheidend wie Befreiung vom „Nicht-arbeiten”. Wenn du einfach lethargisch da sitzt, bist du glücklich, etwas tun zu können. Du fühlst die Energie. Es ist also alles vorhanden. Entspanne dich einfach!

Gurudev, ich verstehe kein Sanskrit und komme nicht aus Indien. Könnten wir ein paar Sitzungen einplanen, um Sanskrit besser verstehen zu können?

Sri Sri:
Es ist nicht notwendig, viel zu verstehen. Tatsächlich gibt es in der englischen Sprache viel Sanskrit, zum Beispiel bei den Monatsnamen November, Dezember und Januar.

Hier ist es wichtig, die Schwingungen der Mantren zu genießen und sich zu entspannen. Dann kann Meditation geschehen.

Wenn du es dennoch lernen möchtest, gibt es unzählige Möglichkeiten dazu. Du kannst es auf verschiedene Art und Weise lernen. Aber selbst Menschen, die verschiedene indische Sprachen sprechen, sind nicht in der Lage, vedische Hymnen zu verstehen. Es sind die Schwingungen, die Intonationen und die Art des Singens, die wichtig sind.

Du bist jedoch herzlich willkommen, dich wissenschaftlich damit zu befassen. Die Bedeutungen können auch bei Google abgerufen werden. Diese Bedeutungen sind jedoch unvollständig. Sie sind weder ganz richtig noch ganz falsch.

Gurudev, ist es eines der Ziele von Sadhana, bestimmte Erfahrungen zu machen? Ich habe bisher durch Sadhana noch keine speziellen Erfahrungen gemacht. Das beunruhigt mich.

Sri Sri:
Nein, mach dir nichts draus! Es geht um die Erfahrung, von der Kulisse wegzutreten und zum Seher zu werden. Das ist es, was wichtig ist. Falls weitere Erfahrungen dazukommen, dann kommen sie eben. Wenn nicht, ist es auch in Ordnung. Erfahrungen ändern sich dauernd.

 

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