Eifersucht & Neid: woher sie kommen und wie du damit umgehst

Eine offene Blüte und eine Knospe stehen nebeneinander im selben Licht
Kurzantwort: Eifersucht und Neid entstehen für Gurudev Sri Sri Ravi Shankar aus einem Gefühl der Trennung: Du vergleichst dich mit anderen und fühlst dich dadurch kleiner. Im Kern sind sie für ihn eine verzerrte Form von Liebe – ohne Liebe gäbe es keinen Neid. Der Weg heraus liegt nicht im Unterdrücken, sondern darin, den Blick umzulenken, etwa auf Großzügigkeit statt auf Besitz.

Woher Eifersucht wirklich kommt

Eifersucht beginnt selten beim anderen Menschen. Gurudev führt sie auf ein Gefühl der Trennung zurück: Sobald du dich von anderen getrennt fühlst, entsteht Vergleich – und aus dem Vergleich Konkurrenz, Eifersucht, Unbehagen. Am Ende richtet sich das Gefühl oft gegen dich selbst.

Was passiert dann? Dein Gefühl der Trennung von den Menschen ruft all diese Unruhe in dir hervor. Dann entsteht Konkurrenz, dann entsteht Eifersucht, dann entsteht Unbehagen – eines nach dem anderen. Und du beginnst, dich selbst zu beschuldigen: dein Selbstwertgefühl sinkt; du glaubst, du seist schlecht, du seist nicht richtig, du seist ungeeignet.

Englisches Original

Then what happens? Your sense of separateness from people causes all these commotions inside you. Then competition arises, jealousy arises, discomfort arises—one after another. And you start blaming yourself: your self-esteem goes down; you think you are bad, you are not right, you are unfit.

„Aus einem Vortrag über die Ashtavakra Gita — ‚Letting Go of Worries', 00:41:50"

Das erklärt, warum Eifersucht so oft mit einem schlechten Selbstwertgefühl zusammenhängt: Sie ist nicht nur ein Blick auf den anderen, sondern auch ein Urteil über dich selbst.

Neid als verzerrte Liebe

So unangenehm Eifersucht sich anfühlt – Gurudev sieht in ihr keinen eigenständigen Fehler, sondern eine Verformung von etwas Gutem: Liebe.

Gäbe es auf diesem Planeten keine Liebe, gäbe es überhaupt kein Problem. Niemand wäre jemals eifersüchtig. Niemand wäre jemals habgierig. Niemand würde jemals über irgendetwas wütend werden. Wut, Habgier, Eifersucht — all die negativen Emotionen, die wir erleben — sind allesamt Triebe der Liebe.

Englisches Original

If there was no love on this planet, there would not have been any problem at all. Nobody would be ever jealousy. Nobody would ever be greedy. No one would ever get angry at anything. Anger, greed, jealousy — all the negative emotions we experience — are all shoots of love.

„Aus einem Vortrag über die Narada Bhakti Sutras — ‚Finding Real Communication', 00:17:36"

Wo also keine Liebe wäre, gäbe es auch keinen Neid. Das nimmt der Eifersucht nichts von ihrer Schärfe, zeigt aber, woran sie ursprünglich hängt.

Ein Perspektivwechsel: worauf du eifersüchtig sein kannst

Statt Eifersucht ganz wegzudrücken, schlägt Gurudev einen einfachen Umweg vor: die Richtung wechseln, in die sie zielt.

Wenn du eifersüchtig sein willst, dann sei eifersüchtig auf Großzügigkeit— wenn du jemanden findest, der großzügiger ist als du, wirst du noch großzügiger als er. Mach Großzügigkeit zu deinem Wettkampf.

Englisches Original

If you want to be jealous, be jealous of generosity— when you find someone more generous than you, you become even more generous than them. Make generosity your competition.

„Aus einem Vortrag über die Narada Bhakti Sutras — ‚The Six Distortions of Love', 00:08:12"

Aus einem Wettbewerb um Besitz oder Erfolg wird so ein Wettbewerb um Großzügigkeit – ein Vergleich, bei dem am Ende niemand verliert.

Wenn Eifersucht ohne erkennbaren Grund da ist

Manchmal taucht Eifersucht auf, ohne dass ein konkreter Anlass sichtbar ist. Für diesen Fall bietet Gurudev in seinen Wissensblättern eine ungewöhnliche Perspektive an: den Gedanken an Karma.

Wisse, dass die Person, auf die du eifersüchtig oder neidisch bist, in der Vergangenheit gutes Karma vollbracht hat und nun die Früchte davon erntet. 2.

Englisches Original

Know that the person of whom you are jealous or envious has done some good karma in the past and is now reaping the fruit. 2.

„Aus dem Buch ‚An Intimate Note to the Sincere Seeker' — Wissensblatt 216 ‚How to Conquer Jealousy or Envy' (4. August 1999, European Āshram, Germany)"

Dieser Gedanke verschiebt den Blick weg vom Vergleich – hin zu der Möglichkeit, dass der Weg jedes Menschen sein eigener ist.

Was du konkret tun kannst

  1. Frag dich, wovon du dich getrennt fühlst. Eifersucht entsteht oft genau in dem Moment, in dem du dich von jemandem oder etwas abgeschnitten fühlst. Diese Trennung zu erkennen, ist der erste Schritt.
  2. Lenk deinen Vergleich um. Statt auf Besitz, Erfolg oder Aussehen zu schauen, richte den Blick auf Eigenschaften wie Großzügigkeit – und lass dich davon zu mehr Großzügigkeit anspornen.
  3. Beobachte den Gedanken, statt ihn sofort zu bekämpfen. Negativität wie Eifersucht will oft vor allem gesehen werden. Schau dir an, was wirklich dahintersteckt, statt sie gleich zu verdrängen.
  4. Freu dich bewusst mit anderen mit. Wenn es Freunden gut geht, ist ehrliche Mitfreude eine Übung, die der Eifersucht direkt die Grundlage entzieht.
  5. Erinnere dich: Der Weg jedes Menschen ist ein anderer. Was jemand anderem gerade zufällt, sagt nichts darüber aus, was dir fehlt oder zusteht.

Fragen zu diesem Thema

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • Ashtavakra Gita — „Letting Go of Worries" (AG 21), 00:41:50–00:42:19
  • Narada Bhakti Sutras — „Finding Real Communication" (BS 20), 00:17:36–00:18:47
  • Narada Bhakti Sutras — „The Six Distortions of Love" (BS 14), 00:08:12–00:08:30
  • An Intimate Note to the Sincere Seeker — „How to Conquer Jealousy or Envy" (Wissensblatt 216, 4. August 1999, European Āshram, Germany)