Wie ertrage ich Einsamkeit, wenn ich allein lebe?

Einzelne Laterne in einem stillen Garten in der Dämmerung
Kurzantwort: Gurudev Sri Sri Ravi Shankar rät: Kämpfe nicht gegen das Gefühl völliger Trennung, sondern ruhe dich aus – so wie du auch in den Schlaf allein gehst. Wenn du etwas ganz allein bewältigen musst, hilft Dankbarkeit und tiefes Gebet. Du kannst darauf vertrauen, dass dir die nötige Energie zufließt, während du zugleich weißt: Das Universum verliert dich nicht aus den Augen.

Was Gurudev dazu sagt

Kennst du das: Du kommst abends nach Hause, schließt die Tür – und keiner ist da, mit dem du über deinen Tag sprechen kannst? Gerade wenn du allein lebst, kann dieses Gefühl der Leere immer wieder auftauchen. Gurudev beginnt seine Antwort nicht mit einer Anleitung, wie du das vermeidest, sondern mit einer Einladung, anders damit umzugehen.

Wenn du dich völlig getrennt fühlst, kämpfe nicht und ringe nicht darum, dich verbunden zu fühlen. Ruhe dich aus. Es ist wie im Schlaf: Da bist du völlig getrennt, sogar von den dir nächsten Menschen. Du kannst niemand anderen mit in den Schlafzustand nehmen. Du gehst allein dorthin.

Englisches Original

When you feel completely disconnected, do not fight or struggle to feel connected. Rest. It is like when you sleep, you remain totally disconnected from even the closest people. You do not get to take anybody else into the sleep state with you. You go there alone.

„Aus dem Wissensarchiv von Gurudev Sri Sri Ravi Shankar — ‚Be your own Best Friend', 2024-08-05"

Manchmal reicht Ausruhen aber nicht, etwa wenn eine ganz konkrete Aufgabe vor dir steht, die kaum jemand mit dir teilen kann – ein Umzug, eine Entscheidung, eine schwere Nacht. Für solche Momente gibt Gurudev in einem seiner Wissensblätter eine andere Anweisung.

Dankbar sein, tief beten und wissen, dass du all die Energie bekommen wirst, die nötig ist, um es allein zu tun. Es gibt nur einen Handelnden.

Englisches Original

Be grateful, pray deeply, and know that you will get all the energy needed to do it alone. There is only one Doer.

„Aus dem Buch ‚An Intimate Note to the Sincere Seeker' — Wissensblatt 85 ‚Accept the World at Its Worst' (22. Januar 1997, Dallas, Texas)"

Und selbst wenn gerade kein Mensch greifbar ist, beschreibt Gurudev eine Verbindung, die weiter reicht als die Menschen in deiner Nähe.

Dann weißt du, dass das Universum dich fühlt, dass der große Geist dich niemals aus den Augen verliert und dass du nicht allein bist. Die ganze Welt gehört dir.

Englisches Original

That is when you know that the universe feels you, the big mind never loses sight of you and you are not alone. The whole world belongs to you.

„Aus dem Wissensarchiv von Gurudev Sri Sri Ravi Shankar — ‚You are the Universe', 2023-06-10"

Drei unterschiedliche Bilder, ein gemeinsamer Kern: Ausruhen statt kämpfen, Dankbarkeit und Gebet statt Sorge, und das Wissen, dass du – selbst im Alleinsein – Teil von etwas Größerem bleibst.

Was du konkret tun kannst

  1. Kämpfe nicht gegen das Gefühl der Trennung. Wenn du dich völlig allein fühlst, musst du laut Gurudev nicht dagegen ankämpfen. Ruhe dich aus, so wie du dich auch im Schlaf von allen löst – das gehört zum Leben dazu.
  2. Sei dankbar für das, was gerade da ist. Vor Aufgaben, die du wirklich allein bewältigen musst, empfiehlt Gurudev, mit Dankbarkeit zu beginnen, statt mit Sorge.
  3. Bete oder halte still inne, statt zu grübeln. Tiefes Gebet oder eine stille innere Zwiesprache kann dir laut Gurudev helfen zu vertrauen, dass dir die nötige Energie zufließt.
  4. Erinnere dich, dass du Teil von etwas Größerem bist. Gurudev beschreibt, wie sich das Wissen anfühlen kann, dass das Universum dich fühlt und der große Geist dich nicht aus den Augen verliert.
  5. Nimm dir bewusst Momente der Stille. Ob im Schlaf, im Gebet oder in der Meditation – all das sind für Gurudev Gelegenheiten, in denen du das Alleinsein weniger als Mangel und mehr als Teil deines Weges erleben kannst.

Häufige Fragen

Was tun gegen Einsamkeit? Gurudev sieht Mitgefühl – auch dir selbst gegenüber – als das, was ein Gefühl von Gehörtsein und Einbezogensein schafft und so die Wucht der Einsamkeit mildern kann. Wenn du dich völlig getrennt fühlst, rät er zudem, nicht dagegen anzukämpfen, sondern dich auszuruhen, ähnlich wie im Schlaf, in den du ohnehin allein gehst.

Wie kann ich lernen, den Tod als Teil des Lebens zu verstehen? Gurudev beschreibt, wie Sorgen oft aus der Illusion entstehen, endlos auf dieser Welt zu bleiben – wer sich wirklich bewusst macht, dass er sie eines Tages verlässt, verliert oft die Lust am Grübeln. Er erzählt dazu von Alexander dem Großen, der sich wünschte, mit offenen, leeren Händen zu Grabe getragen zu werden – als Zeichen, dass selbst er, der die Welt eroberte, mit nichts in den Händen ging.

Wie kann Gebet in schwierigen Zeiten Halt geben? Gurudev erklärt, dass das Göttliche Menschen nicht prüft – Prüfungen gehören für ihn zur Unwissenheit, und das Göttliche kennt unsere Fähigkeiten ohnehin. Schwere Zeiten dienen für ihn eher dazu, Geduld und innere Tragfähigkeit wachsen zu lassen, und zwar durch betende Hingabe und durch das, was unsere Geduld herausfordert. Er fragt auch: Hast du in einem aufgewühlten Moment schon einmal mehr gesungen und still gesessen, statt zu schreien oder anderen die Schuld zu geben?

Was ist das Selbst im spirituellen Sinn? Für Gurudev ist innerer Frieden keine Leistung, sondern deine angeborene Natur, die dir nicht genommen werden kann. Er beschreibt das Ziel der Praxis nicht als Stressfreiheit werden, sondern als Erkennen, dass du unter der Oberflächenunruhe bereits stressfrei bist – ein Zustand, der sichtbar wird, sobald falsche Selbstbilder fallen und du dich entspannst.

Verwandte Fragen

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • Wissensarchiv von Gurudev Sri Sri Ravi Shankar — „Be your own Best Friend" (2024-08-05)
  • An Intimate Note to the Sincere Seeker — „Accept the World at Its Worst" (Wissensblatt 85, 22. Januar 1997, Dallas, Texas)
  • Wissensarchiv von Gurudev Sri Sri Ravi Shankar — „You are the Universe" (2023-06-10)