Wie fange ich als Anfänger mit Meditation an?

Hände pflanzen einen einzelnen Samen behutsam in frische Erde.
Kurzantwort: Als Anfänger startest du am besten nicht allein, sondern mit einer geführten Meditation – Gurudev Sri Sri Ravi Shankar empfiehlt genau das für die ersten Tage oder Wochen. Wichtig ist außerdem ein ausgewogener Alltag: mäßiges Essen, mäßige Aktivität, mäßige Ruhe. Schon fünf bis zehn Minuten am Tag reichen als Einstieg – die Gewohnheit zählt mehr als die Dauer.

Was Gurudev dazu sagt

Kennst du das: Du willst endlich mit Meditation anfangen, aber du weißt nicht, wo du überhaupt ansetzen sollst – einfach die Augen schließen und hoffen, dass etwas passiert? Gurudev Sri Sri Ravi Shankar macht klar: Meditation beginnt nicht im luftleeren Raum, sondern in deinem ganz normalen Alltag.

Siehst du, etwas körperliche Aktivität brauchst du, um deine innere Stille ins Gleichgewicht zu bringen. Ausgewogene Ernährung, ausgewogene Betätigung, ausgewogene Ruhe — diese drei bringen Frieden und Vereinigung mit der Existenz. Das ist Meditation. Verstehst du das?

Englisches Original

You see, some physical activity is needed to balance your inner silence. Moderate food, moderate activity, moderate rest — these three bring peace and union with existence. That is meditation. You see this?

„Aus einem Vortrag über die Ashtavakra Gita — ‚Dissolving the Doer', 00:08:26"

Für den ersten praktischen Schritt gibt Gurudev einen einfachen Rat: Du musst nicht allein anfangen.

Sri Sri Ravi Shankar: Ich habe eine Reihe von Meditations-CDs aufgenommen. Ihr könntet diese CDs für ein paar Tage oder Wochen benutzen, um anzufangen, und euch die Gewohnheit der Meditation anzueignen. Sobald ihr es regelmäßig praktiziert, braucht ihr keine CD mehr, ihr werdet es von selbst tun können. Alles, was ihr braucht, ist ein wenig Übung im Meditieren, im Loslassen. Es geht bei allem ums Loslassen.

Englisches Original

Sri Sri Ravi Shankar: I have made a number of meditation CDs. You could use these CDs for a couple of days or weeks to begin with, and get into the habit of meditation. Once you get into practicing it regularly, you won’t need a CD, you will be able to do it by yourself. All you need is a little bit of practice of meditating, of letting go. It is all about letting go.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚An Insight Into The Science Of Yoga' (Apr 18 2013)"

Und wie viel Zeit brauchst du dafür am Anfang? Weniger, als du vielleicht denkst.

Wenn du morgens oder abends fünf oder zehn Minuten sitzt und den Geist ruhig hältst, wird unser Körper gesund, unser Verhalten wird liebenswürdig, unser Geist wird angenehm, der Verstand wird scharf, und welche Wünsche wir auch haben, sie erfüllen sich ganz natürlich.

Englisches Original

If you sit for five or ten minutes, morning or evening, keeping the mind calm, our body becomes healthy, our behavior becomes sweet, our mind becomes pleasant, intellect becomes sharp and whatever wishes we have naturally get manifested.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚We need to wipe out ignorance' (Mar 6 2012)"

Für Gurudev ist der Einstieg also keine große Sache: ein ausgewogener Alltag als Fundament, eine Anleitung als Starthilfe, und schon wenige Minuten am Tag als Übung – mehr braucht es nicht, um anzufangen.

Was du konkret tun kannst

  1. Sorg für Ausgewogenheit in deinem Alltag. Iss maßvoll, bewege dich maßvoll, ruh dich maßvoll aus. Diese Balance bringt die innere Ruhe, die Meditation braucht.
  2. Nutz am Anfang eine geführte Meditation. Du musst nicht allein herausfinden, was zu tun ist – eine Anleitung hilft dir, die Gewohnheit aufzubauen, bis du es von selbst kannst.
  3. Fang mit wenigen Minuten an. Fünf bis zehn Minuten morgens oder abends reichen als Einstieg völlig aus.
  4. Übe das Loslassen, nicht die Perfektion. Es geht nicht darum, etwas „richtig" zu machen, sondern darum, ein wenig Übung im Loslassen zu sammeln.

Häufige Fragen

Was ist Meditation wirklich? Gurudev unterscheidet Meditation deutlich von Konzentration: Für ihn ist sie eine tiefe Entspannung, die uns allen schon oft passiert ist, ohne dass wir es bemerkt haben – etwa in Momenten echten Glücks. Er beschreibt sie außerdem als einen vierten Zustand jenseits von Wachen, Schlafen und Träumen, und als eine höhere Form des Gebets: Im Gebet sprichst du, in der Meditation hörst du zu.

Wie überwinde ich Selbstzweifel? Zweifel an dir selbst lösen sich laut Gurudev nicht durch Argumente, Zuhören oder Nachdenken, sondern nur, wenn deine innere Lebensenergie steigt – ein niedriger Energiestand ist es, der den zweifelnden, trägen Geisteszustand erzeugt. Wer sich selbst für unzulänglich hält, trifft für ihn außerdem einen falschen Entschluss: Du hast bisher alles gemeistert, was auf dich zukam, also bekräftige dir selbst, dass du jede Rolle gut erfüllen kannst.

Wie lange dauert es, bis Meditation wirkt? Mach dir selbst keine Vorwürfe, wenn es länger dauert, sagt Gurudev: Deine jetzige Natur ist kein persönliches Versagen, sondern etwas, das sich über tägliche Praxis, Ernährung, Umgebung und Gesellschaft nach und nach verschiebt. Die ungeduldige Frage „warum tut sich noch nichts" ist für ihn selbst schon ein Hindernis. Sein Bild: Mangos wachsen nicht über Nacht wie schneller sprießende Linsen – alles im Leben reift in seinem eigenen Tempo.

Wie oft muss ich meditieren, damit sich in meinem Leben etwas verändert? Wenn eine Praxis nicht sofort etwas bewirkt, tappen viele laut Gurudev in eine von zwei Fallen: entweder die Methode für wirkungslos zu erklären, oder sich selbst für ungeeignet zu halten. Beides führt in die Irre. Entscheidend ist stattdessen die ununterbrochene tägliche Wiederholung – schon wenige Minuten, aber jeden Tag, sind das, was eine Praxis in dir wirklich fest verankert.

Verwandte Fragen

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • Ashtavakra Gita — „Dissolving the Doer" (AG 15), 00:08:26–00:08:46
  • artofliving.org (offizielle Website) — „An Insight Into The Science Of Yoga" (Apr 18 2013)
  • artofliving.org (offizielle Website) — „We need to wipe out ignorance" (Mar 6 2012)