Was tun bei Schlaflosigkeit?

Nebliges Tal kurz vor Sonnenaufgang mit ersten goldenen Lichtstrahlen über fernen Hügeln
Kurzantwort: Für Gurudev Sri Sri Ravi Shankar hängt Schlaflosigkeit oft mit einem Geist zusammen, der abends immer noch will und tut. Wer das bewusste Wünschen und Machen für die Nacht loslässt, findet oft leichter in den Schlaf. Schlaf ist für ihn kein Tun, sondern etwas, das kommt, wenn Anspannung und Verlangen zur Ruhe kommen.

Was Gurudev dazu sagt

Kennst du das: Der Körper ist müde, das Bett ist bequem, und trotzdem kreist im Kopf noch alles weiter – Pläne, Wünsche, das, was heute noch fehlt. Gurudev beschreibt genau diesen Zustand als eine der Hauptursachen für Schlaflosigkeit: ein Geist, der abends immer noch etwas will und etwas tun möchte.

Zu viel Träumen, zu viel Tun-Wollen – all das hat die Schlaflosigkeit verursacht. Ich will nichts, ich tue nichts – behalte diese beiden Dinge im Sinn. Du wirst einschlafen wie ein Baby.

Englisches Original

Too much dreaming, too much wanting to do, this has all caused insomnia. I want nothing, I do nothing – keep these two things in mind. You will fall asleep like a baby.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚Sleep Secrets: Say goodbye to sleepless nights -' (2023-06-18)"

Woher dieses innere Wollen kommt, erklärt Gurudev an anderer Stelle genauer: Es ist der Wunsch selbst, der Unruhe im Geist erzeugt und dich wach hält.

Sri Krishna sagt in der Bhagavad Gita: „Du kannst nicht in den Yoga eintreten, solange du die Wünsche oder das Verlangen in dir nicht loslässt.“ Du kannst das an deiner eigenen Erfahrung erkennen; wenn du mit einer gewissen Unruhe oder Erregung zu Bett gehst, wirst du keinen tiefen Schlaf finden. Sehr ehrgeizige Menschen können keinen tiefen Schlaf haben, weil der Geist in ihnen nicht frei ist. Jeder Wunsch, jeder Ehrgeiz ist wie ein Sandkorn im Auge. Ein Weg ist, deinen Wunsch so weit auszudehnen oder so groß zu machen, dass er dich nicht mehr stört. Ein großer Stein oder Felsen kann niemals in dein Auge gelangen. Der andere Weg ist, ihn zu entfernen. Leidenschaftslosigkeit bedeutet, dieses Staub- oder Sandkorn aus deinem Auge zu entfernen.

Englisches Original

Sri Krishna says in the Bhagavad Gita, “You cannot get into Yoga unless you drop the desires or hankerings in you”. You can see this from your own experience; if you go to bed with some restlessness or agitation you will not get deep sleep. Very ambitious people cannot have deep sleep because the mind inside is not free. Every desire or ambition is like a sand particle in the eye. One way is to extend your desire or make it so big that it doesn’t bother you. A big stone or a rock can never get into your eyes. The other way is to remove it. Dispassion is removing this particle of dust or sand from your eye.

„Von der offiziellen Website artofliving.org — ‚Welcome Home!' (2021-12-08)"

Noch weiter geht Gurudev, wenn er den Moment des Einschlafens selbst beschreibt: als ein tägliches Loslassen, das jede Nacht sowieso schon stattfindet – ob wir es bemerken oder nicht.

Ob es dir gefällt oder nicht, jede Nacht, bevor du zu Bett gehst, entsagst du allem. Wenn du nicht entsagst, kannst du nicht schlafen. Schlaflosigkeit ist ein Zeichen fehlender Entsagung.

Englisches Original

Whether you like it or not, every night before going to bed you renounce everything. If you don’t renounce, you won’t be able to sleep. Insomnia is a sign of non-renunciation.

„Aus dem Wissensarchiv von Gurudev Sri Sri Ravi Shankar — ‚The Art of Letting Go' (2023-11-26)"

Zusammen ergeben diese drei Bilder eine einfache Linie: Schlaf braucht kein zusätzliches Tun, sondern ein Weniger. Wunsch und Ehrgeiz halten den Geist wach wie ein Sandkorn, das im Auge sticht, und Einschlafen ist im Kern ein tägliches Loslassen – etwas, das nach Gurudevs Beschreibung ohnehin jede Nacht geschieht, wenn wir es zulassen.

Was du konkret tun kannst

  1. Leg vor dem Schlafengehen das Wollen und Tun bewusst ab. Sag dir innerlich: Für heute Nacht will ich nichts, für heute Nacht tue ich nichts. Gurudev beschreibt diesen einfachen Perspektivwechsel als Weg, wie ein Kind einzuschlafen.
  2. Bemerke, welcher Wunsch dich gerade beschäftigt. Statt ihn zu unterdrücken, kannst du ausprobieren, ihn entweder loszulassen oder ihn – wie Gurudev es beschreibt – so großzügig zu denken, dass er dich nicht mehr stört wie ein Sandkorn im Auge.
  3. Mach dir bewusst, dass du jede Nacht ohnehin loslässt. Einschlafen selbst ist nach Gurudevs Bild schon eine Form von Entsagung. Du musst diese Fähigkeit nicht neu erfinden, du kannst sie nur bewusster zulassen.
  4. Bleib bei einer ruhigen, wiederkehrenden Abendroutine. Ein fester, einfacher Ablauf vor dem Zubettgehen kann helfen, dem Geist zu zeigen, dass der Tag jetzt zu Ende ist.
  5. Lass anhaltende Schlafprobleme ärztlich abklären. Wenn Schlaflosigkeit über längere Zeit bestehen bleibt, ist es sinnvoll, das zusätzlich mit einem Arzt oder einer Ärztin zu besprechen.

Häufige Fragen

Wie kann ich besser schlafen? Gurudev erklärt, dass Wunsch, innere Unruhe oder ungelöste Anspannung, die du mit ins Bett nimmst, tiefen Schlaf verhindern – er rät, das vor dem Schlafen loszulassen, damit Erholung möglich wird. Er vergleicht Schlaf zudem mit Liebe und Meditation: Beide geschehen mühelos, und gerade die Anstrengung, unbedingt einschlafen zu wollen, wird selbst zum Hindernis.

Was tun gegen häufiges nächtliches Aufwachen? Gurudev führt Schlaflosigkeit auf zu viel gedankliches Wünschen und Tun-Wollen zurück und bietet einen einfachen inneren Reset an, der das Einschlafen erleichtern kann. Daneben beschreibt er auch energetische Ursachen: Ist das sogenannte Prana zu hoch, macht das schlaflos und unruhig; ist Apana zu hoch, macht das eher dumpf und träge.

Wie kann ich ohne Schlaftabletten besser schlafen? Gurudev bietet dafür keine Substanz an, sondern einen mentalen Ansatz: Zu viel Träumen und zu viel Tun-Wollen hätten die Schlaflosigkeit mitverursacht. Sein Rat ist, sich bewusst zu machen „ich will nichts, ich tue nichts" – dieser einfache innere Wechsel soll das Einschlafen erleichtern, ganz ohne zusätzliche Hilfsmittel.

Welche Rituale helfen beim Einschlafen? Statt eines festen äußeren Rituals beschreibt Gurudev vor allem ein inneres: das bewusste Loslassen von Wollen und Tun kurz vor dem Schlafengehen. Dieser innere Haltungswechsel – nichts mehr wollen, nichts mehr tun müssen – wird von ihm als das eigentliche Ritual beschrieben, das den Weg in den Schlaf öffnet.

Verwandte Fragen

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • artofliving.org (offizielle Website) — „Sleep Secrets: Say goodbye to sleepless nights -" (2023-06-18)
  • artofliving.org (offizielle Website) — „Welcome Home!" (2021-12-08)
  • Wissensarchiv von Gurudev Sri Sri Ravi Shankar — „The Art of Letting Go" (2023-11-26)