Wie kann ich innerlich ruhiger werden?

Eine Kerzenflamme brennt vollkommen ruhig im stillen Raum
Kurzantwort: Innere Ruhe entsteht nicht dadurch, dass du gegen deine Unruhe ankämpfst – das macht es laut Gurudev Sri Sri Ravi Shankar nur schlimmer, wie Stochern in einem trüben Teich. Lass das Bemühen los, denn schon das Wollen von Frieden macht unruhig. Und hol deinen Geist immer wieder zurück aus Vergangenheit und Zukunft – ins Jetzt.

Was Gurudev dazu sagt

Kennst du das: Du liegst abends im Bett, der Tag ist vorbei – und trotzdem dreht sich in dir alles weiter? Du willst, dass es aufhört, aber genau dieses Wollen macht dich noch wacher. Gurudev sagt: Das ist kein Zufall. Genau darin liegt der Grund, warum sich Unruhe so hartnäckig hält.

Es ist wie bei einem trüben Teich — und du bemerkst: „Oh, dieser Teich ist trüb“, und rührst weiter mit einem Stock darin herum und sagst: „Oh, er ist trüb.“ Es wird zwangsläufig noch trüber werden. Es gibt keine Möglichkeit, dass es sich beruhigt.

Englisches Original

It’s like a pond is muddy — and you notice, “Oh, this pond is muddy,” and you keep stirring it with a stick, saying, “Oh, it’s muddy.” It's bound to become more muddy. There is no way it can settle down.

„Aus einem Vortrag über die Ashtavakra Gita — ‚You Are Not the Doer', 00:40:03"

Jeder Versuch, die Unruhe mit Gewalt loszuwerden, ist für Gurudev selbst wieder ein Tun – und genau dieses Tun hält sie am Leben. Was für den trüben Teich gilt, gilt für deinen Geist genauso: Lass ihn einfach in Ruhe, und er klärt sich von selbst.

Noch überraschender wird es, wenn du genauer hinschaust, wonach du eigentlich suchst. Gurudev macht klar: Nicht nur das Ankämpfen gegen Unruhe erzeugt neue Unruhe – schon das bloße Wollen von Frieden kann dich unruhig machen.

Du willst Frieden – und doch bist du durch das Wollen des Friedens unruhig geworden. Du willst, dass alle friedvoll sind, jede Situation friedvoll ist – und doch hast du ein großes Chaos in dir selbst erzeugt. Wie ist das möglich? Frieden kommt von innen – nicht von außen. Wenn du friedvoll bist, werden deine Umstände friedvoll; deine Situation wird friedvoll.

Englisches Original

You want peace — but you have become restless by wanting peace. You want everybody to be peaceful, every situation to be peaceful — yet you have created a big turmoil inside you. How is it possible? Peace comes from within — not from without. If you are peaceful, your surroundings become peaceful; your situation becomes peaceful.

„Aus einem Vortrag über die Ashtavakra Gita — ‚Storms of Emotions', 00:31:37"

Der Denkfehler, den die meisten machen: Frieden von außen erwarten – von der Situation, von anderen Menschen, von den Umständen. Gurudev dreht das um: Er beschreibt, dass sich das Umfeld mit dem eigenen inneren Frieden verändert, nicht umgekehrt.

Und wo genau setzt diese Unruhe eigentlich an? Gurudev lenkt den Blick auf etwas sehr Einfaches: darauf, wo dein Geist sich am liebsten aufhält.

Wenn du deinen Geist beobachtest, ist er entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Siehst du das? Wir bereuen die Vergangenheit und sorgen uns um die Zukunft.

Englisches Original

If you observe your mind, it's either in the past or in the future. Do you see that? We regret the past and anxious about the future.

„Aus einem Vortrag über die Narada Bhakti Sutras — ‚Compassion & Trust', 00:07:48"

Beobachte dich selbst einen Moment: Wie oft bist du wirklich genau jetzt, in diesem Augenblick? Meistens bereust du etwas von gestern oder sorgst dich um morgen – und genau dieses Pendeln zwischen Vergangenheit und Zukunft ist für Gurudev die eigentliche Quelle der inneren Unruhe. Ruhiger wirst du nicht, indem du noch mehr tust oder noch mehr willst, sondern indem du aufhörst, gegen den Moment anzukämpfen, in dem du gerade bist.

Was du konkret tun kannst

  1. Hör auf, an der Unruhe herumzurühren. Wenn du merkst, dass etwas in dir aufgewühlt ist, versuch nicht sofort, es wegzumachen. Jeder krampfhafte Versuch, den trüben Teich zu klären, wirbelt nur mehr auf. Lass die Unruhe einfach da sein, ohne gegen sie anzukämpfen – oft setzt sie sich dann von allein.
  2. Lass das Wollen von Frieden los. Merk, wann du selbst unruhig wirst, weil du dir so sehr Ruhe wünschst. Frieden entsteht nach Gurudev nicht durch Verlangen danach, sondern indem du in diesem Moment einfach friedvoll bist – dann breitet sich das auch um dich herum aus.
  3. Unterscheide zwischen Absicht und Verlangen. Frag dich bei dem, was du erreichen willst: Steckt ruhige Klarheit dahinter oder fiebrige Eile? Gurudev sagt, nicht das Ziel selbst macht dich unruhig, sondern die Hektik, mit der du es sofort erreichen willst. Nimm dir das Tempo raus.
  4. Hol deinen Geist zurück ins Jetzt. Merkst du, dass du gerade etwas von gestern bereust oder dich um morgen sorgst? Dann bist du gerade nicht hier. Beobachte das einfach, ohne dich zu verurteilen, und richte deine Aufmerksamkeit sanft auf das, was jetzt gerade ist.
  5. Nimm deine Stimmungsschwankungen nicht persönlich. Mal bist du ausgeglichen, mal gereizt – das hat oft weniger mit dir zu tun, als du denkst, sondern mit ganz natürlichen inneren Schwankungen. Wenn du das weißt, machst du aus jeder Laune kein Drama mehr, das dich zusätzlich aus der Ruhe bringt.

Häufige Fragen

Wie kann ich gelassener werden? Gurudev sagt: Gelassenheit ist keine Fähigkeit, die du dir erst erarbeiten musst – sie ist deine eigentliche Natur, die dir kaum jemand nehmen kann. Das Ziel ist nicht, stressfrei zu werden, sondern zu erkennen, dass du es unter der Oberfläche längst bist. Jeder Gefühlssturm zieht vorbei wie Wind – und was danach bleibt, die Stille, ist dein wahres Wesen: Liebe.

Wie finde ich innere Ruhe? Für Gurudev ist Ruhe nichts, das du von außen bekommst oder erst erschaffen musst – sie ist deine ureigene Natur, unveränderlich und unantastbar. Wer verzweifelt nach Frieden sucht, erzeugt durch dieses Suchen selbst neue Unruhe. Wenn du friedvoll bist, wird auch deine Umgebung friedvoll. Der Weg nach innen führt also nicht über Anstrengung, sondern über Erkennen.

Wie kann ich entspannen, wenn ich nicht abschalten kann? Der Versuch, dich mit Gewalt zu entspannen, ist laut Gurudev selbst wieder eine Form von Tun – und genau das hält die Unruhe am Leben, so wie Rühren einen trüben Teich nur trüber macht. Stress fühlt sich an wie ein Feuer, das alles verschlingt: Je stärker du versuchst, es sofort zu löschen, desto heftiger brennt es. Lass es einfach sein – dann kühlt es von selbst ab.

Wie werde ich meinen Stress los? Gurudev beobachtet ein seltsames Muster im Geist: Schöne Momente lässt du kaum an dich heran, sie sind schnell wieder vorbei. Unangenehme Dinge dagegen kaust du immer wieder durch – aus reiner Gewohnheit, dich stärker an das Schwere zu klammern als an das Leichte. Stress loszuwerden beginnt damit, diese Gewohnheit zu bemerken: Du musst dem Unangenehmen nicht mehr Raum geben als dem Guten.

Verwandte Fragen

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • Ashtavakra Gita — „You Are Not the Doer" (AG 04a), 00:40:03–00:40:56
  • Ashtavakra Gita — „Storms of Emotions" (AG 10), 00:31:37–00:32:01
  • Narada Bhakti Sutras — „Compassion & Trust" (BS 19), 00:07:48–00:08:00