Warum bin ich ständig gestresst?

Verwobene Äste öffnen sich nach oben zu einem klaren, ruhigen Himmel.
Kurzantwort: Für Gurudev Sri Sri Ravi Shankar liegt ständiger Anspannung oft ein Muster im Kopf zugrunde: Freude erzeugt oft schon die Angst, sie zu verlieren – das raubt dir die Ruhe. Oft kommt die Sorge um Ansehen und Ruf hinzu, die viele Menschen dauerhaft gefangen hält. Gurudev nennt das den eigentlichen Kern innerer Unruhe, unabhängig vom äußeren Anlass.

Was Gurudev dazu sagt

Kennst du das: Du freust dich über etwas – und im nächsten Moment ist da schon die Sorge, es wieder zu verlieren? Gurudev Sri Sri Ravi Shankar beschreibt genau dieses Muster als eine der Wurzeln von Stress: nicht die Freude selbst, sondern die Angst um sie.

Etwas bereitet dir große Freude – doch das Verlangen nach dieser Freude lässt dich nicht ruhig und friedvoll verweilen. Etwas regt dich auf – und schon die Furcht davor, dass es dich wieder aufregen wird, dass es dich aus der Balance bringen wird, raubt dir den Frieden und die Rückkehr in dich selbst.

Englisches Original

Something gives you great joy, then the craving for the great joy doesn't allow you to rest peacefully. Something agitates you, the fear of that something is going to agitate you, something is going to put you off the balance, doesn't allow you to be peaceful and restate in yourself.

„Aus einem Vortrag über die Ashtavakra Gita — ‚Honouring the Secret', 00:06:36"

Diese innere Anspannung braucht gar keinen großen Anlass. Oft genügt eine ganz alltägliche Sorge: das eigene Ansehen zu wahren. In seinem Buch beschreibt Gurudev, wie sehr dieses Bemühen Menschen gefangen halten kann.

Die meisten Menschen sind in diesem Käfig von Prestige und Ehre gefangen. Sie können nicht lächeln. Sie sind ständig besorgt darüber, ihr Prestige und ihre Ehre aufrechtzuerhalten.

Englisches Original

Most of the people are stuck in this cage of prestige and honour. They cannot smile. They are constantly worried about keeping up their prestige and their honour.

„Aus dem Buch ‚An Intimate Note to the Sincere Seeker' — Wissensblatt 304 ‚Prestige and Honour - Your Golden Cage' (3. Mai 2001, Panama City, Panama)"

So verschieden diese Anlässe wirken, so ähnlich ist für Gurudev, was am Ende dahintersteckt. Er bezeichnet das Grundmuster als das eine große Thema, dem viele Ursachen und Gründe zugeschrieben werden – doch im Kern bleibt die eigentliche Aufgabe dieselbe.

Das ist das einzige Problem. Das ist das einzige Grundproblem im Universum — es gibt kein anderes Problem. Du kannst es an tausend Ursachen und Gründe heften — doch das Problem ist: Wie befreit man das Leben von diesem Sturm?

Englisches Original

This is the only problem. This is the only basic problem in the universe, there is no other problem. You can attach it to one thousand causes reasons, but the problem is how to free the life from this storm.

„Aus einem Vortrag über die Ashtavakra Gita — ‚Storms of Emotions', 00:08:19"

Ob die Sorge um Freude, um Ansehen oder um etwas ganz anderes geht – Gurudev sieht darin immer wieder dieselbe Bewegung: einen Geist, der sich an etwas klammert und dadurch unruhig wird. Diesen Kreislauf zu erkennen, ist für ihn schon ein erster Schritt.

Was du konkret tun kannst

  1. Bemerke, wann Freude in Sorge kippt. Achte im Alltag darauf, wie schnell aus einem schönen Moment die Angst wird, ihn zu verlieren. Dieses Bemerken allein kann den automatischen Griff etwas lösen.
  2. Frag dich, wessen Meinung du gerade fürchtest. Wenn du merkst, dass du dich um dein Ansehen sorgst, kannst du innehalten und dich fragen, wie wichtig diese Sorge in einer Woche noch sein wird.
  3. Sieh den äußeren Grund als austauschbar. Gurudev macht deutlich, dass sich Stress an tausend verschiedene Ursachen heften kann. Statt jeder einzelnen Ursache hinterherzujagen, kannst du üben, das dahinterliegende Muster selbst wahrzunehmen.
  4. Probiere kurze Momente bewussten Innehaltens aus. Ein paar ruhige Atemzüge oder ein bewusster Moment der Stille können ein Ausgangspunkt sein, um aus dem automatischen Kreislauf auszusteigen.

Häufige Fragen

Wie finde ich innere Ruhe? Gurudev besteht darauf, dass Ruhe kein Zustand ist, den du erst erreichen musst – sie ist deine eigentliche Natur und kann dir nicht genommen werden. Das verschiebt das Ziel jeder Übung: nicht darum, stressfrei zu werden, sondern zu erkennen, dass du es unter der Oberfläche bereits bist. Wer Ruhe zu sehr erzwingen will, erlebt oft das Gegenteil.

Wie kann ich innerlich ruhiger werden? Gurudev warnt davor, Unruhe mit Anstrengung „wegmachen" zu wollen – das ist selbst wieder eine Form von Tun, die die Unruhe eher nährt. Er vergleicht das mit jemandem, der einen trüben Teich mit einem Stock umrührt und sich über die Trübung beschwert. Auch der Wunsch nach Ruhe kann, wenn er zu groß wird, selbst unruhig machen.

Wie kann ich gelassener werden? Gurudev beschreibt Ruhe als etwas, das dir bereits innewohnt. Zugleich weist er darauf hin, dass ein Gefühlssturm nicht von Dauer ist – jeder steigt auf und legt sich wieder, wie Wind. Das, was danach bleibt, die Stille nach dem inneren Wirbel, nennt er deine eigentliche Natur: Liebe.

Wie kann ich entspannen, wenn ich nicht abschalten kann? Gurudev vergleicht den Versuch, innere Unruhe mit Kraft zu beruhigen, mit dem Aufwühlen eines trüben Teichs, während man sich über die Trübung ärgert – die Anstrengung hält die Störung selbst am Leben. Die Anspannung eines solchen inneren „Sturms" beschreibt er als brennend; je mehr du versuchst, ihn zu erzwingen abzukühlen, desto unruhiger wird er oft.

Verwandte Fragen

Quellen

Die Zitate auf dieser Seite stammen aus:

  • Ashtavakra Gita — „Honouring the Secret" (AG 17), 00:06:36–00:07:20
  • An Intimate Note to the Sincere Seeker — „Prestige and Honour - Your Golden Cage" (Wissensblatt 304, 3. Mai 2001, Panama City, Panama)
  • Ashtavakra Gita — „Storms of Emotions" (AG 10), 00:08:19–00:08:55