Für andere nützlich sein

15.07.2013

Montreal, Canada

Lieber Gurudev, was macht die Leute dynamisch, wenn sie Seva machen, während sie es bei der Büroarbeit nicht sind?
Sri Sri:
Schau, wir müssen etwas tun und tun auch immer etwas. Normalerweise wollen wir etwas dafür bekommen. Wenn du nun etwas tust, ohne etwas dafür haben zu wollen, wenn du einfach nur nützlich im Leben sein möchtest, dann wird das Seva genannt.
Eine Handlung ist dann Seva, wenn du dafür keine Belohnung erwartest, wenn sie dir Freude bereitet, und wenn du einfach etwas tust, wovon andere profitieren können.
Eine Handlung, die dir selbst keine Vorteile bringt, die du einfach vollbringst, weil du anderen nützlich sein möchtest, ist Seva.

Was ist die Bedeutung von Siddhis (paranormalen Kräften)?
Sri Sri:
Nun, wenn das, was du möchtest, sich erfüllt, noch bevor der Wunsch auftaucht, dann wird das Siddhi genannt.
Wenn du zum Beispiel heiraten möchtest, aber bis du siebzig bist niemanden findest, bedeutet das, das keine Siddhis vorhanden sind. Wenn aber bereits zehn Menschen da sind, die dich um deine Hand bitten, noch bevor du dir überhaupt gewünscht hast, zu heiraten, bedeutet das, dass du über Siddhis verfügst.
Es gibt ein Sprichwort in Indien mit dem folgenden Inhalt: Als du Zähne hattest, hattest du keine Nüsse, und als du Nüsse hattest, hattest du keine Zähne mehr.
Du konntest also keine Nüsse bekommen, als deine Zähne noch intakt waren. Und als sie dir endlich zur Verfügung standen, gab es keine Zähne mehr. Das bedeutet mangelnde Siddhis. Du hast zwar bekommen, was du wolltest, aber es war zu spät.
Wenn du etwas möchtest, aber weniger bekommst, als du dir gewünscht hast, dann sind ebenfalls keine Siddhis vorhanden. Wenn du zum Beispiel nach Kalifornien reisen wolltest und anstatt der erforderlichen 1500 nur 1300 Dollar bekamst, dann bedeutet das mangelnde Siddhis.
Siddhis sind also dann vorhanden, wenn vorzeitig mehr vorhanden ist, als du brauchst. Die Dinge sollten einfach erscheinen. Wenn sie zu spät auftauchen, hat es keinen Sinn, und wenn es zu wenig ist, ebenfalls nicht. Wenn alles, was du brauchst, rechtzeitig erscheint, wird das Siddhi genannt.
Siddhis bestehen dann, wenn materielle Dinge vorzeitig auftauchen, und wenn mehr davon vorhanden ist, als es dem Bedürfnis entspricht.

Gurudev, einfach nur in deiner Gegenwart zu sein ist unglaublich. Wozu brauchen wir all diese Meditationspraktiken? Ist es notwendig, sie regelmäßig zu praktizieren?
Sri Sri:
Ja, damit du etwas zu tun hast, und damit ich etwas zu tun habe.
Es gibt vier Ebenen.
1. Sanidhya: Die Präsenz wahrnehmen.
2. Samipya: Sich dem Guru oder dem Göttlichen nahe fühlen. Das Gefühl der Nähe muss von deiner Seite aus kommen. Niemand kann bewirken, dass du dich nahe fühlst. Es muss von einem selbst kommen.
3. Sarupya: Eins mit der Form sein. Das bedeutet, dass zwischen dir und mir kein Unterschied besteht.
4. Sayujya: Sich einfach im Göttlichen auflösen.

Gurudev, wenn Art of Living mit Spiritualität und nicht mit Religion zu tun hat, warum singen wir dann so viele Bhajans über Krishna und hinduistische Götter?
Sri Sri:
Nun, singen ist ein Teil der Spiritualität. Diese alten Gesänge werden Mantren genannt und haben Schwingungen, die eine Auswirkung auf dich haben. Es ist einfach eine Lebensart. Mantren wie Om Namah Shivaya zu singen gehört zur Spiritualität.
Von deiner Geburt an werden – je nach Religion – Zeremonien wie Taufe, Hochzeit oder Begräbnis durchgeführt. Zur Spiritualität gehört jedoch alles, was das Leben anhebt. Obwohl Yoga und Meditation aus alten Traditionen stammen, sind sie eine Lebensweise und nicht eine Religion an sich.
Jemand fragte den Präsidenten Indiens Dr. Sarvepalli Radhankrishana – der ein Hindu ist – nach der Definition der hinduistischen Religion. Er antwortete, es gebe keine Möglichkeit, Hinduismus zu definieren. Hinduismus sei einfach eine Lebensform.
Weil es aber so viele Religionen gibt, wurde auch der Hinduismus als Religion bekannt.
Diese Mantren haben Auswirkungen auf unseren Organismus, unseren Geist und unser Bewusstsein. Je älter sie sind, desto stärker wirken sie auf die tieferen Ebenen unseres Bewusstseins ein. Deshalb wird uns auch empfohlen, Om zu singen.
Es geht nicht um Krishna oder sonst irgendetwas, sondern um den Wert des Mantras, der ausschlaggebend ist.

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